So., 17.09.2017

„Zugabe“-Uraufführung im Kammertheater Bühnenboden Hauptrolle für einen passionierten Claqueur

Tilman Rademacher erzählt in seinem Stück, was ein Claqueur in der Öffentlichkeit so alles bewirken kann.

Tilman Rademacher erzählt in seinem Stück, was ein Claqueur in der Öffentlichkeit so alles bewirken kann. Foto: Eickhoff

Münster - 

Der Claqueur applaudiert jubelnd in der Generalpause, die Zuschauer machen begeistert mit und gehen anschließend nach Hause. Der Claqueur bleibt nach diesem Beifall allein im Saal und hört das Konzert in Ruhe zu Ende – es geht noch 45 Minuten weiter. Das Publikum im Kleinen Bühnenboden an der Schillerstraße lacht herzlich über diese, freilich frei erfundene, Anek­dote.

Von Heike Eickhoff

Tilman Rademacher, dessen Eigenproduktion „Zugabe!“ die 33. Spielzeit des kleinen Theaters eröffnete, hat sein Ein-Claqueur-Stück mit herzhaften Pointen bestückt. Die Zuschauer kommen streckenweise aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, denn Rademacher hat ein Händchen für Slapstick und lautstarke Wortwirkung. Da läuft immer wieder der Refrain des Karnevalsschlagers „Humba Täterä“, um anzudeuten, wie bei der Uraufführung des Liedes in einer Fernsehshow die Sendezeit um immerhin eine Stunde überzogen wurde – weil die Zuschauer nicht genug von dieser Nummer bekamen, so schmunzelte Rademacher. Ein Ergebnis der Claqueure? Die Zuschauer im Kleinen Bühnenboden lachen und lachen bei jedem Neustart des Refrains, zu abstrus ist dieser Loop.

Schauspieler Tilman Rademacher, der den Text des gut einstündigen Stücks schrieb (Regie: Konrad Haller), hat auch Pointen eingestrickt, die das Lachen gefrieren lassen. Ausschnitte aus Goebbels’ Hass- und Hetzrede im Sportpalast 1943, in der er die Zuhörer so weit manipulierte, dass sie den „totalen Krieg“ forderten, werden als Audio zugespielt. Die Claqueure waren damals schuld, sagt Rademacher, sonst hätten die Zuhörer sicher „Nö!“ geantwortet und wären friedlich nach Hause gegangen. Elegant bekommt er dann den Bogen zur Wirksamkeit von Agitation, die aus „Wir sind das Volk“ schnell ein „Ausländer raus!“ macht. Drei weiße Treppenstufen und ein roter Teppich (vor schwarzem Vorhang im Hintergrund) – Schwarz- Weiß und Rot waren die einzigen Farben des Abends. Ein paar Torsi von Schaufensterpuppen müssen manchmal als Mitspieler herhalten.

Ein expressiver, manchmal verstörender und immer wieder überaus witziger und unterhaltsamer Abend.

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Weitere Vorstellungen des Stücks „Zugabe!“ sind am 29. September sowie 6., 7. und 28. Oktober im Kleinen Bühnenboden zu sehen.

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