Do., 21.09.2017

Messe zu Outsider-Art im Kunsthaus Kannen Staunen ist hier Programm

Bizarre Skulpturen: Was andere Leute wegwerfen, wird im Atelier Markus Meurer (Bild oben) zu fantasievollen Gebilden.

Bizarre Skulpturen: Was andere Leute wegwerfen, wird im Atelier Markus Meurer (Bild oben) zu fantasievollen Gebilden. Foto: wam

Münster - 

„Darauf muss man erst einmal kommen“, sagt Lisa Inckmann, die Leiterin des Kunsthauses Kannen, spontan und zeigt auf eine Skulptur: eine textile Frauenfigur mit geschwungenem Häkelkleid. Ihre Beine sind nicht sichtbar. Hat sie überhaupt welche? Vielleicht nimmt die getigerte Katze, auf der sie thront oder mit der sie eventuell sogar verschmolzen ist, ihr die Lauf- und Steharbeit ab.

Von Wolfgang A. Müller

Es sind farben- und formfrohe Welten, in denen bizarre Objekte, groß- und kleinformatige Bilder wohnen, Drahtinsekten an der Wand krabbeln. In denen Künstler wie L.O. Schubert mit seinen in über 30 Jahre entstandenen, ausschließlich am lebenden Modell erarbeiteten, ausdrucksstarken Akten ihre faszinierende Handschrift zeigen. Wo keine Eingebung abgelegen genug erscheint, als dass man sie nicht in einem kreativen Prozess nach außen kehren könnte.

Die internationale Kunstmesse „2x2 Forum für Outsider Art“ strotzt nur so vor Exponaten, deren Einfallsreichtum verblüfft. 20 Ateliers aus dem In- und Ausland präsentieren im Kunsthaus Kannen auf dem Alexianer-Gelände in Amelsbüren noch bis zum 24. September mannigfaltige Werke, die in sozialen Kontexten von Psychiatrie und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen entstanden sind. Staunen ist hier programmiert. Zum einen über die schiere Anzahl von Gemälden und Objekten, die Stephan Dransfeld, Regionalgeschäftsführer der Alexianer Münster GmbH, kaum für möglich hielt, auf dieser Fläche unterzubringen. Neben ihm freuten sich bei der Eröffnung auch Lisa Inckmann und die städtische Kulturamtsleiterin Frauke Schnell nicht nur über den verzeichneten Zuspruch, sondern auch über die zeitliche Nähe zu den Skulptur-Projekten. Wie diese, so Schnell, eröffne das zum fünften Mal stattfindende Forum neue Perspektiven. Inckmann betonte, es sei gelungen, eine „neue Schnittstelle“ für die „Außenseiter-Kunst“ zu schaffen und den gesellschaftlichen Kontext zu stärken: Netzwerke aus Produzenten, Vermittlern und Sammlern sind entstanden.

Wie weit „draußen“ diese Art von Kunst steht, wird derweil auch in Vorträgen erörtert. Britta Peters, Kuratorin der Skulptur-Projekte, und der Kulturwissenschaftler Jörg Scheller stellen jeweils provokante Fragen an die auch pathologisch wirksamen Normierungen des „Innen und Außen“.

Die Holzskulpturen eines Künstlers des renommierten Ateliers de La Tour aus dem Kärntner Ort Treffen könnten dieses Thema versinnbildlichen. Durch die angebrachten Löcherungen des Materials entfalten sie eine komplexe Dreidimensionalität. Die äußeren Konturen bleiben dagegen eher flächig, geradezu grafisch. Früher, sagt die Mitarbeiterin des Ateliers, habe der Mann „nur“ Linolschnitte angefertigt. Und fügt an: „Darauf muss man erst mal kommen.“

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