Mo., 25.09.2017

Vierte Staffel der Erzählshow „MenschMünsterMensch“ Erlebtes aus dem Korbstuhl

Die Akteure des packenden Abends: (v. l.)  Ulrike Knobloch (Gesang), Cornelia Kupferschmid (Moderation), Dirk, Stefanie, Bettina und Uli (Erzähler) sowie Konrad Haller (Moderation)

Die Akteure des packenden Abends: (v. l.)  Ulrike Knobloch (Gesang), Cornelia Kupferschmid (Moderation), Dirk, Stefanie, Bettina und Uli (Erzähler) sowie Konrad Haller (Moderation) Foto: heh

Münster - 

Es knisterte im – trotz der Bundestagswahl – ausverkauften Kleinen Bühnenboden, so packend waren die wahren Geschichten. Auf leise, unaufgeregte Art erfuhren die gespannt lauschenden Zuhörer, wie Dirk Abschied von der Mutter genommen hatte. Fünf Tage und vier Nächte saß er am Sterbebett, ließ die gemeinsamen, nicht immer konfliktfreien Jahre des Zusammenlebens noch einmal an sich vorüberziehen. Wie „sie“ (er vermied das Wort Mutter) ihn als Kleinkind zärtlich streichelte. Oder später wegen der beim Spielen beschmutzen Kleidung heftig ohrfeigte.

Von Heike Eickhoff

Dirk, der Mensch aus Münster, kommentierte nicht, stattdessen blendete er, ruhig und sachlich, zurück in verschiedene Lebensphasen, immer eingebettet in den sich täglich verschlechterten Zustand der Mutter, den er fast akribisch und zugleich liebevoll beschrieb.

Carola von Seckendorff als Regisseurin ließ ihm zum Auftakt der vierten Staffel von „MenschMünsterMensch“ viel Raum und Zeit zum Erzählen. Im bequemen Korbstuhl nahm er auf der Bühne Platz.

Die Schauspieler Konrad Haller und Cornelia Kupferschmid moderierten die Koproduktion des Kleinem Bühnenbodens und des Theaterlabels FreiFrau am Sonntag mit wenigen Worten, auf angenehm ruhige Art. So kamen die vier Geschichten in der vierten Ausgabe der Erzählshow authentisch und packend rüber. Kein voyeuristischer Seelenstriptease wurde geboten, sondern ein von innen heraus notwendiges Plaudern über bewegende Erlebnisse, für das Publikum unterhaltsam, aber auch ergreifend präsentiert.

Uli etwa suchte nach der leiblichen Mutter, seit er erfahren hatte, dass er als Kleinkind adoptiert worden war. Irgendwann fand er sie, war verblüfft über Ähnlichkeiten – und hatte trotzdem eine fremde Person vor sich. Hin- und hergerissen zwischen Nähe und Distanz beschrieb er, wie er auf das erste Treffen mit ihr als erwachsener Mann reagierte. Stefanie las als einzige ihre Geschichte vor. In präzisen, oft ironischen, manchmal zum Lachen reizenden Sätzen erfuhren die Zuschauer von ihrer Krebserkrankung, von Leid und Heilung. Bettina wiederum hatte ein sehr gutes Verhältnis zur Vermieterin. Auch nach dem Auszug blieb der Kontakt, es entwickelte sich eine enge Freundschaft, später dann Liebe. Seit Jahren sind die beiden ein glückliches, nun auch verheiratetes Paar.

Ulrike Knobloch (Gesang) und Jakov Williwitsch begleiteten die Erzählshow an Klavier und Gitarre mit thematisch passender Musik. Beide ernteten mit John Lennons Song „Woman“ am Ende großen Beifall.

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