Mo., 25.09.2017

Forum im Franz-Hitze-Haus zum Thema „Heimat ist nicht nur ein Ort“ „Heimat muss man auch teilen“

„Heimat ist nicht nur ein Ort“: Mit dem Wandel von Heimat befasste sich ein Forum im Franz-Hitze-Haus. Johannes Loy, Leiter der Feuilleton-Redaktion unserer Zeitung, gab dazu aus dem gleichnamigen Buch aus dem Aschendorff-Verlag, an dem sich viele Leser beteiligt hatten, die passenden Impulse.

„Heimat ist nicht nur ein Ort“: Mit dem Wandel von Heimat befasste sich ein Forum im Franz-Hitze-Haus. Johannes Loy, Leiter der Feuilleton-Redaktion unserer Zeitung, gab dazu aus dem gleichnamigen Buch aus dem Aschendorff-Verlag, an dem sich viele Leser beteiligt hatten, die passenden Impulse. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

In Zeiten von Flucht und Migration ist das Thema „Heimat“ wieder in aller Munde. Grund genug für die Akademie Franz-Hitze-Haus, den Heimatbegriff zu beleuchten und ihn von der Patina der Heimattümelei zu entrosten. Fazit nach einem Forum mit Experten aus Geschichtsforschung, Medien, Sport und Stadtheimatbund: Heimat darf in Zeiten der Globalisierung nichts Ausgrenzendes mehr sein. „Heimat gehört uns nicht allein, Heimat muss man auch teilen!“

Von Johannes Loy

36 Millionen Fundstellen zum Thema Heimat hatte der Historiker Dr. Christopher Görlich bei Google entdeckt. Viele Zeitungen und Zeitschriften hätten das Thema jüngst aufgegriffen. Görlich skizzierte den Wandel des Heimatbegriffs. „Die Geschichte der Heimat beginnt eigentlich dort, wo sie verloren geht!“, so fasste er seine Erkenntnisse zusammen; denn auch bei Dichtern und Denkern sei Heimat ein Sehnsuchtsort oder gar eine Utopie. Sei die mittelalterliche Ordnung noch weitgehend stabil gewesen, so hätten Industrialisierung und Mobilisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert die Entstehung von Heimatbewegungen gefördert.

Mit der Verknüpfung von Heimat, Nationalstaat und Volkstum kamen dann, so der Historiker, Hass und Ausgrenzung in die Welt. Aus Heimat wurden Heimatfront, Blut und Boden. Manche revanchistischen Töne nach Krieg, Flucht und Vertreibung standen einer neuen, unbefangenen Betrachtung von Heimat im Wege.

Der Filmjournalist Dr. Hans Gerhold präsentierte Topoi der deutschen Heimatfilme zwischen 1950 und 1965, in denen Naturschutz, Familienclans und Patriarchen-Gehabe eine Rolle spielten. 400 solcher teilweise recht aufwendig produzierten Filme bildeten fast ein Viertel der Kinofilmproduktion der Bundesrepublik, rund ein Drittel der Bevölkerung lockte das damals in die Kinos.

Konkret wurde das Thema Heimatverlust und Integration bei dem Syrer Rajeh Alkhoury, der in Ibbenbüren eine zweite Heimat gefunden hat. Der in einer Arbeitsagentur tätige Syrer mit katholischer Konfession hat durch emsiges Lernen der Sprache Anschluss gefunden und zeigte bewegende Bilder aus seiner schönen, aber jetzt weitgehend zerstörten Heimat.

In der abschließenden Podiumsdiskussion brachte der Präsident des SC Preußen Münster, Christoph Strässer, die integrative Kraft des Sports zur Sprache. Wobei er jene Problem-Fans, die den Fußball als eine Art Ersatzreligion betrachten, zugleich kritisch ansprach. Dr. Ömer Lütfü Yavuz, Vorsitzender des Integrationsrates in Münster, sowie Ursula Warnke vom Stadtheimatbund hoben die identitätsstiftende Kraft von Heimatvereinen und Migrationsgruppen hervor.

Wie vielschichtig Heimat definiert wird, hatte eingangs Feuilletonchef Johannes Loy bei einer Lesung aus seinem Buch „Heimat ist nicht nur ein Ort“ verdeutlicht, das dem Forum im Hitze-Haus den Titel gegeben hatte. Heimat sei eben nicht nur ein einziger bestimmter Ort oder ein Dorf. Heimat sei für viele auch die Sprache, die Musik oder die Familie, resümierte Loy.

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