Di., 17.10.2017

Studierende der Kunsthochschule Saar bespielen Pienes Lichtinstallation am Landesmuseum Lebendige Leuchttapete

Wie ein Pandabär kann die Piene-Lichtinstallation wirken, wenn sie zum Display künstlerischer Programmierung wird.

Wie ein Pandabär kann die Piene-Lichtinstallation wirken, wenn sie zum Display künstlerischer Programmierung wird. Foto: Helmut Jasny

Münster - 

Was gerade am Landesmuseum stattfindet, erinnert ein bisschen an den Open-Source-Gedanken in der Software-Entwicklung.

Von Helmut Jasny

Was gerade am Landesmuseum stattfindet, erinnert ein bisschen an den Open-Source-Gedanken in der Software-Entwicklung. Statt den Quellcode eines Programms geheim zu halten, stellt man ihn anderen Programmierern zur Verfügung, damit diese daraus eigene Werke realisieren können. Und genau das machen zurzeit elf Studierende der Hochschule für Bildende Künste Saar. Mit ihrem Projekt „ Piene reloaded Nr. 2“ bespielen sie seit Montag Otto Pienes Lichtinstallation „Silberne Frequenz“ an der Südfassade des Museums.

Die sich in 30-minütigen Schleifen wiederholende Darbietung besteht aus vier Akten, die die Erscheinungsformen Punkt, Welle, Fläche und Partikel thematisieren. Was der Betrachter zu sehen bekommt, beginnt ziemlich unspektakulär mit Linien und rechteckigen Flächen aus Licht, die sich auf dem Raster aus 14 mal 30 Lampen ausbreiten. In Zeiten von 4K-Bildschirmen ist das eine miserable Auflösung. Andererseits entsteht durch den Abstand und die Möglichkeit, die Lampen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf- und abzudimmen, eine durchaus fließende Bewegung.

Hinzu kommt ein 3D-Effekt, der sich durch die in einem Winkel von 90 Grad zueinander stehenden Wände automatisch einstellt. Auf diese Weise wirken die Lampen bald wie Lichtmuster, die auf den Betrachter zueilen oder vor ihm fliehen. Kreise und Kreuze zeichnen sich ab, verharren für einen kurzen Zeitraum, um dann wieder zu zerfließen und sich zu neuen geometrischen Mustern zu formieren.

Nach einiger Zeit werden die Motive amorpher. Licht und Schatten treiben ein unberechenbares Spiel, wobei die Fassade ein regelrechtes Eigenleben zu entwickeln scheint. In manchen Momenten wirkt die Lichtzeichnung wie das Muster einer Tapete, das nach Kant ja die reinste aller Schönheiten sein soll, da frei von Zweck und Begriff. Aber auch konkrete Motive lassen sich ausmachen. Einmal meint man, ein riesiger Lichtmensch komme mit ausgebreiteten Armen auf einen zu. Ein andermal wirkt das Bild wie ein überdimensionierter Tierkopf mit schwarzer Knubbelnase.

Prof. Daniel Hausig von der Hochschule für Bildende Künste Saar bezeichnete das Bespielen der Lichtwand als „Abenteuer“. Da hier mit Videotechnik gearbeitet wird, während Piene eine fixe Programmierung verwendete, war eine Art Übersetzung nötig, die Info Wandt, der Leiter des Lichtlabors, zusammen mit der Kölner Firma LightLife auf Basis des digitalen Steuerprotokolls DMX entwickelte. Zu sehen ist die Installation noch bis 29. Oktober täglich von Einbruch der Dämmerung bis 1 Uhr nachts.

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