Weltkulturerbe aus Indonesien begeistert im Pumpenhaus
Wie eine natürliche Einheit

Münster -

Mit tiefen, summenden Tönen bringen die Tänzer ihre Stimmbänder in Schwingung, während ihre Oberkörper im Kreis rotieren, sie auf den Knien wippen oder die Köpfe von einer Seite zur anderen schnellen. 16 indonesische Künstler hocken Schulter an Schulter nebeneinander an der Bühnenrampe des voll besetzten Pumpenhauses und bewegen sich wie aus einem Guss.

Donnerstag, 26.10.2017, 17:10 Uhr

Zum Weltkulturerbe gehört „Saman“. Das Pumpenhaus zeigt im Herbst weitere Tanzkultur aus Indonesien.
Zum Weltkulturerbe gehört „Saman“. Das Pumpenhaus zeigt im Herbst weitere Tanzkultur aus Indonesien. Foto: Isabell Steinböck

Ihre orange-bunte Einheitskleidung und die genau aufeinander abgestimmten Bewegungen vermitteln eine Ästhetik, in der das Individuum vollkommen in der Gruppe aufgeht. Wenn die Männer ihre Oberkörper im Takt zum religiös anmutenden Gesang versetzt vor- und zurückbewegen, hat man weniger den Menschen vor Augen als die Natur: das große Ganze in seiner eigenen Gesetzmäßigkeit.

Der 25-minütige Traditionstanz „Saman Dance“ der Kompanie „Saman Gayo Lues“ ist der Auftakt für eine Reihe von Tanzvorstellungen aus Indonesien, die (mit Unterstützung des Europalia Arts Festival Indonesia) im November und Dezember im Pumpenhaus zu sehen sein werden. Pumpenhausleiter Ludger Schnieder hat sich auf Einladung der indonesischen Regierung einen künstlerischen Eindruck von 40 Tanzkompanien auf drei Inseln verschafft: „Diese Gruppe gehört zu denjenigen, die mich am meisten fasziniert haben.“ Dass der Tanz 2011 von der Unesco in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden ist, spricht für sich.

Auf der Bühne vermitteln diese Tänzer eine Konzentration und Energie, wie man sie selten sieht. Faszinierend die sich allmählich steigernde Dynamik: Reiben die Tänzer ihre Hände zunächst unmerklich gegeneinander, gehen sie bald in lautes Klatschen über; mal drehen sie ihre Hand-Rücken nach außen, mal die Hand-Flächen. Indem sie sich auf Oberschenkel oder Brust schlagen, gelingt eine bezwingende Form von Percussion. „Salam alaikum“ (Friede sei mit euch), singt der leitende Künstler in der Mitte des Ensembles. Als Tänzer aus einem Land, das zu 90 Prozent muslimisch geprägt ist, wirkt dies beinahe wie Völkerverständigung. Das Pumpenhaus-Publikum reagierte herzlich: mit stehenden Ovationen.

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