Mi., 15.11.2017

„Götz Alsmann in Rom“ Der Schlager macht „bella figura“

Götz Alsmann weiß, was er Rom schuldig ist: gepflegtes Äußeres, kulturhistorischen Sachverstand und eine Portion musikalischer Neugier.

Götz Alsmann weiß, was er Rom schuldig ist: gepflegtes Äußeres, kulturhistorischen Sachverstand und eine Portion musikalischer Neugier. Foto: Fabio Lovino/BlueNoteGermany

Rom/Münster - 

„Azzurro“, „Volare“, „Arrivederci Roma“ – die Titel auf Götz Alsmanns aktuellem Album gehören zur ewigen Bestenliste des Schlagerrepertoires. Ist das der Grund, warum „Götz Alsmann in Rom“ so erfolgreich ist? Der Musiker aus Münster gibt im Gespräch mit unserer Zeitung Antworten.

Von Lukas Speckmann

Götz Alsmann beobachtet sein Publikum genau. Bei der ersten Nummer wird in der ersten Reihe oft mitgewippt – eine aufmunternde Geste zur Eröffnung. Doch beim Auftakt des Rom-Programms ist in den Gesichtern mehr zu sehen, erzählt der Meister: ein freudig zustimmendes Wiedererkennen. Ach, das ist ja „Quando Quando“, sagen die Blicke. Sehr gut, damit hätte ich auch angefangen . . .

Damit ist beschrieben, was das aktuelle Album ausmacht. „Götz Alsmann in Rom“ ist auf Anhieb populärer als sein Broadway-Vorgänger, vielleicht übertrifft es sogar die schon legendäre Paris-Platte. Mehr als die Hälfte der 18 Nummern bot sich quasi von selbst an, die andere Hälfte brauchte nicht mehr als einen kleinen Schubs: „Azzurro“, „Volare“, „Arrivederci Roma“ und ihresgleichen gehören auch in Deutschland zur ewigen Bestenliste des Schlagerrepertoires. „Die Melodien haben schon die richtige Mischung aus Humor, Pathos und Melancholie“, sagt Götz Alsmann. Das öffnet die Ohren auch für die unbekannteren Lieder – und für anspruchsvollste Alsmann-Klänge.

Fotostrecke: Die vielen Gesichter des Götz Alsmann

Das Prinzip ist das gleiche wie bei den beiden Vorgänger-Alben aus Frankreich und Amerika: Die Alsmann-Band – Altfrid M. Sicking (Vibraphon), Ingo Senst (Kontrabass), Markus Paßlick (Percussion und Rudi Marhold (Schlagzeug) – begab sich für ein paar Tage an Ort und Stelle in Klausur; in diesem Fall in Ennio Morricones sagenhaftes „Forum Music Village“-Studio in den Katakomben einer römischen Kirche. Dort wurden die Klassiker des italienischen Schlagers der 50er und 60er Jahre aufpoliert: jazzige Arrangements, historische oder restaurierte deutsche Übersetzungen, viel Sex-Appeal, sehr viel Augenzwinkern, präzise Aufnahmetechnik. Die Nähe zu Alsmanns Stil, zu Mambo, Cha-Cha-Cha oder Bossa Nova, ergab sich oft genug von selbst. Wo nicht, passt auch der Stilwechsel ausgezeichnet – etwa wenn Tony Dallaras „Come prima“ mit drei­fachem Tempo die Senti mentalität ausgetrieben wird.

„Ich habe mich diesem Kulturkreis immer über die Musik genähert“, betont Götz Alsmann – der bekennt, nie zuvor in Rom oder auch nur in Italien gewesen zu sein. Aber Adriano Celentano, Fred Buscaglione oder Giuseppe Verdi gehörten seit der Jugend zur täglichen Kost. Vielleicht ist das Album deshalb so unbefangen locker, lässig und frech. Nicht nur die Freunde des frühen ­Alsmann-Jazzschlager-Stils werden daran ihre Freude haben. „Paris, New York, Rom – das sind die drei großen Sphären der Unterhaltungsmusik des 20. Jahr­hunderts“, sagt Götz Alsmann. Die Trilogie der von Régis Ceccarelli produzierten Städte-Alben sei damit abgeschlossen. Und danach? „Ich würde gerne ein paar alte Schlager singen – oder etwas ganz anderes machen.“

Es hat noch Zeit, das Programm wird noch etwa zwei Jahre lang halten. Mit „Götz Alsmann in Rom“ gibt sich der Jazzschlager-König am 18. November in der Halle Münsterland die Ehre. Es ist das einzige Konzert in seiner Heimatstadt, und es ist ausverkauft. Aber die Tournee wird die Band und ihn noch mehrfach in die Nähe führen: „Das ganze Projekt macht uns sehr glücklich.“

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Götz Alsmann in Rom. CD, Blue Note (Universal)

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