Choreografie „Cry Jailolo“ im Pumpenhaus
Diese Tänzer werden in die Tiefe geschickt

Münster -

Das Geräusch kommt aus dem Nichts – ein beständiges dumpfes Pochen, wie von einer Trommel erzeugt. Erst als das Licht langsam einen jungen Mann aus dem Dunkel herausschält, erkennt man, dass er beim Tanzen den Takt mit seiner Ferse auf den Boden klopft. Bald kommen weitere Akteure hinzu. Alle praktizieren sie diese ungewöhnliche Gangart. Und sie wird sich wie ein roter Faden durch das Stück „Cry Jailolo“ ziehen, das am Samstag im Pumpenhaus zu sehen war.

Sonntag, 26.11.2017, 16:11 Uhr

Wie ein Schwarm Fische strömen die sieben Tänzer durch den Bühnenraum.  
Wie ein Schwarm Fische strömen die sieben Tänzer durch den Bühnenraum.   Foto: Pumpenhaus

Der indonesische Choreograf Eko Supriyanto schickt seine Tänzer in die Tiefe. Inspiriert von einem Tauchgebiet mit einzigartigen, aber bedrohten Korallenriffen, entstehen Bilder von Menschen, die aufs Meer hinausrudern und hinabtauchen in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt.

Wie ein Schwarm Fische strömen die sieben Tänzer durch den Bühnenraum. Auch wenn sich die Formationen immer wieder ändern, scheint doch alles einer vorgegebenen Ordnung zu folgen. Und immer, wenn einer ausbricht, um eigene Wege zu gehen, dauert es nicht lange, bis ihm die anderen folgen und so die Einheit wiederherstellen. Eine Einheit, die man als gott- oder zumindest naturgegeben denken muss.

Formal greift die Choreografie auf traditionelle indonesische Tänze zurück, die sie mit zeitgenössischen Elementen abmischt. Wobei es vor allem die modernen Passagen sind, die hier Unruhe ins Spiel bringen. Die Bewegungen werden dann drängender, Strukturen beginnen sich aufzulösen und sorgen für Disharmonie. Doch im Hintergrund gibt es immer noch diesen Grundtakt, der nur scheinbar verloren gegangen war. Bald übernimmt er wieder die Regie und bringt Ordnung ins Chaos. Allerdings hat auch er eine Änderung erfahren. Wenn der Tänzer am Ende wieder mit der Ferse seinen eigenwilligen Takt auf den Boden klopft, wirkt der Rhythmus deutlich hektischer und nervöser als zu Beginn der Vorstellung.

„Cry Jailolo“ ist ein Tanzstück, das formal und inhaltlich gleichermaßen überzeugt. Neben den exotischen Bewegungsmustern begeistert vor allem die Dramaturgie. Während gut dosierte Tempo- und Stimmungswechsel für Spannung sorgen, vermittelt der stets gleichbleibende Grundton ein Gefühl von Ruhe und Beständigkeit. Eine fast schon mystisch anmutende Synthese.

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