In der Diözesanbibliothek wurden Noten von Max von Droste-Hülshoff präsentiert
Adliger Dilettant im besten Sinne

Münster -

Er gehörte dem geistlichen Stand an. Was ein Problem darstellt, wenn man „die schönste Frau Münsters“ heiraten will. Aber Max von Droste-Hülshoff (1764-1840) folgte seinem Herzen – heiratete Bernardine Engelen und widmete sein Leben dem Komponieren. Was er so gut konnte, dass kein Geringerer als Joseph Haydn seine Musik aufführte. All das kam in der Diözesanbibliothek bei Vorträgen über „Annettes Onkel“ zur Sprache.

Freitag, 01.12.2017, 16:12 Uhr

Der Star des Abends: die Notenhandschrift zur „Missa I. in C“ von Max von Droste-Hülshoff.
Der Star des Abends: die Notenhandschrift zur „Missa I. in C“ von Max von Droste-Hülshoff. Foto: zin

Schnell wurde deutlich: Der eigentliche Star des Abends war eine Notenhandschrift, genauer: die „Missa I. in C“ des komponierenden Droste. Der Originalerhalt der Handschriften wurde aus Bund-Länder-Mitteln gefördert, von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in Berlin. Der Konzert-Vortrags-Abend feierte also den erfolgreichen Abschluss ihres KEK-Modellprojekts 2017.

Genaueren Einblick gewährte Dr. Ursula Hartwieg von der KEK an der Staatsbibliothek zu Berlin . Insgesamt seien 250 Modellprojekte mit einem Fördervolumen von 3,3 Millionen Euro unterstützt worden. Die frisch restaurierte Notenschrift des Droste konnte vor Ort besichtigt werden, der Arbeit des Restaurators Matthias Frankenstein sei Dank. Der Fachmann erläuterte, dass unter geänderten Notenpassagen die Urschriften erhalten bleiben müssten. Sie wurden von Kopisten teils übergeklebt oder mit Nadeln geheftet. Hochheben darf man sie jetzt nur mit Teflon-Spachtel – der macht keine Spuren auf dem alten Papier.

Und woher stammen die Droste-Noten? Aus dem Bestand des legendären Notensammlers Fortunato Santini . Dessen Spuren zog Dr. Kirsten Krumeich von der Diözesanbibliothek in ihrem Vortrag nach. Santini, ein römischer Geistlicher, unterhielt ein europaweites Netz an Kontakten, zu dem auch Felix Mendelssohn oder Ottilie von Goethe zählte. Die Droste-Noten kamen aber wohl erst in Münster zum Bestand.

Abschließend wurden sie zum Leben erweckt – von Heike Hallaschka (Sopran), Annette Kleine (Mezzosopran), Nils Giebelhausen (Tenor), Michael Nonhoff (Bariton) und Clemens Rave (Klavier). „Ein adliger Dilettant im besten Sinne“, befand Prof. Dr. Jürgen Heidrich vom musikwissenschaftlichen Seminar.

Und auch die Droste selbst konnte sich seinerzeit mitfreuen, als sie schrieb: „Onkel Max hat eine Medaille erhalten!“

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