Gitarristen Sascha Oeing, Ernie Rissmann, Peter Finger und Biber Herrmann spielen im Pumpenhaus
Magischer Abend auf dem Gipfel

Münster -

Sie ist treu wie Sancho Pansa, folgt dem Spieler zu schneeweißen Stränden wie in trostlose Ecken, prüft ihn im Zwiegespräch und verschenkt sich selbstlos an jedermann: die Gitarre.

Donnerstag, 14.12.2017, 23:12 Uhr

Vier Männer auf dem Gipfel (v. l.): Sascha Oeing, Ernie Rissmann, Peter Finger und Biber Herrmann
Vier Männer auf dem Gipfel (v. l.): Sascha Oeing, Ernie Rissmann, Peter Finger und Biber Herrmann Foto: Günter Moseler

Sie ist treu wie Sancho Pansa, folgt dem Spieler zu schneeweißen Stränden wie in trostlose Ecken, prüft ihn im Zwiegespräch und verschenkt sich selbstlos an jedermann: die Gitarre. „Country Music, das sind drei Akkorde und die Wahrheit“, hat der Gitarrist Willie Nelson einmal erklärt – und ließ generös von Paradies bis Sündenfall alles offen. Die vier Gitarristen im Pumpenhaus erklommen Münsters dritten Gitarrengipfel mit definitiv mehr Akkorden und boten ein Ensemble- wie Solospiel, das Intimität und Grandiosität der Gitarre perfekt demons­trierte.

Die beiläufige Lässigkeit des Auftritts von Ernie Rissmann und Sascha Oeing , Biber Herrmann und Peter Finger war auch ihrer Musik geschuldet, die ihre stilistischen Streifzüge zwischen Jazz, Folk, Blues und Country absolviert. Wenn Rissmann seinen Malboro-Bariton justierte und einen „Lovesong“ präsentierte, Oeing auf der E-Gitarre sekundierte, dann wirkte diese filigrane Musik mit ihren zarten Dur-Moll-Kadenzen in ihrer Expressivität auch authentisch. Das Kunstvolle ist eine Fingertechnik, die nicht ins Scheinmysterium effektvoller Akkordketten anhebt, sondern sich auf akribische Detailarbeit verlässt. So schien Peter Fingers subtiler Umgang mit Phrasierung, Rubato und rhythmischer Präzision am Ende des Konzerts wie die Conclusio einer „Summa Musica“ der vier Gitarren-Musketiere – jenseits aller Lagerfeuer-Romantik.

Der große Vorhang im Hintergrund war dafür zu Beginn in üppigstem Rot aufgeflammt für das schmale Inseltableau der Gitarristen. Dies intensivierte den kammermusikalischen Charakter des Konzerts ebenso wie der Flüstermodus Rissmanns, dessen „Seven days“-Song – eine „natural-born-killers“-Geschichte – nicht allzu mörderisch klang. Die „Over the rainbow“-Paraphrase vereinte Rissmann und Oeing im Duett: derart spielerisch und schwebend schien der Musik jeder Kitsch abhanden gekommen.

E-Gitarren und Akustikgitarren bewiesen holde Eintracht. Biber Herrmann griff sich aus seinem Vierer-Sortiment („Ich habe noch mehr!“) je ein Exemplar, um „orchestrale“ Möglichkeiten vorzuführen. Der Fuß schlug den Takt, die rechte Hand zeichnete den Rhythmus, die linke die Melodie, parallel wurde noch Mundharmonika gespielt und gesungen. Zwischendurch gab’s Geschichtchen übers Leben („Man muss sich gegen Negativ-Spiralen wehren!“) und die Musik sowieso. Peter Fingers Exerzitien zeigten, wie ein Gitarrenklang Silbe um Silbe die Großzügigkeit virtuoser Strenge entdeckt. Ein magischer Abend auf dem Gipfel.

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