Indonesier Eko Supriyanto mit „Balabala“ im Pumpenhaus
Im nächsten Moment fröhliche Mädchen

Münster -

In „Cry Jailolo“ war es die geheimnisvolle Unterwasserwelt, die Eko Supriyanto mit seinem Tänzern auf die Bühne brachte. In „Balabala“ bezieht sich der indonesische Choreograph im Pumpenhaus jetzt auf Kampf- und Kriegstänze aus seiner Heimat.

Montag, 18.12.2017, 18:12 Uhr

In kämpferischen Posen sind die jungen Frauen in „Balabala“ zu sehen.
In kämpferischen Posen sind die jungen Frauen in „Balabala“ zu sehen. Foto: Widhi Cahya/Komunitas Salihara

Interessant ist dabei, dass er das Stück ausschließlich mit Tänzerinnen besetzt, obwohl das Kriegerische auch in Indonesien traditionell den Männer vorbehalten ist. Ob emanzipatorische Gesichtspunkte hinter dieser Entscheidung standen oder ob er sich prinzipiell über festgelegte Geschlechterrollen hinwegsetzen wollte, sei dahingestellt. Auf jeden Fall tut die rein weibliche Besetzung der Aufführung gut.

Das beginnt schon in der Eingangsszene, die eine der Tänzerin mit einem leichtfüßigen, eher westlich anmutenden Tänzeln bestreitet, in das sie allmählich traditionelle östliche Elemente einfließen lässt. Mit der Zeit werden die Bewegungen immer martialischer, bis sie schließlich zu einer Art Kampfpose erstarren. Es folgt ein rhythmisches Stampfen, bei dem die Solistin von ihren vier Kolleginnen begleitet wird. Später löst sich wieder eine Tänzerin aus der Gruppe und startet einen erneuten Alleingang, bei dem geradezu übermütig wirkenden Sprünge und Schrittfolgen die Ästhetik bestimmen.

Wie in „Cry Jailolo“ besticht die Choreographie auch hier mit einem klugen Mix aus ruhigen und dynamischen Passagen. Mal bewegen sich die Tänzerinnen leicht und spielerisch über die Bühne, dann wieder wirken ihre Bewegungen bedrohlich und Ehrfurcht gebietend. Einschüchternde Posen wechseln sich mit anmutigen Figuren ab und sorgen damit für unerwartete Stimmungswechsel. Gerade hat man noch geglaubt, eine Clique von Kämpferinnen vor sich zu haben, im nächsten Moment sind es nur noch fröhliche Mädchen auf einer Wiese. Nicht weniger beeindruckend gestaltet sich das Zusammenspiel zwischen der jeweiligen Solistin und den Ensemble.

Eko Supriyanto gelingt es hier, das Fremde und das Vertraute zusammenzubringen. Und zwar auf eine Weise, die einem das Fremde weniger fremd und das Vertraute gar nicht mehr so vertraut vorkommen lässt. Das ist eine Leistung, die man nicht unterschätzen darf. Denn ohne sie würde kaum Veränderung stattfinden.

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