Ensemble Artig zeigt im Pumpenhaus „Fatum“
Lebenslange Schicksalsfragen

Münster -

„Die Welt ist ein Konzept von Möglichkeiten aus Kausalität und Zufall.“ Diese Formel steht am Anfang und am Ende von „Fatum“, der neuen Produktion des Ensembles Artig. Dazwischen gibt es 60 Jahre Leben in unterschiedlichen Entwürfen und Ausformungen. Manches davon ist gewollt, anderes hat sich einfach so ergeben. War es das Schicksal, das hier seine Finger im Spiel hatte, oder nur der Zufall? Dieser Frage gehen zwölf Mädchen der Marienschule bei ihrem Auftritt im Pumpenhaus nach.

Donnerstag, 18.01.2018, 17:01 Uhr

Gespiegeltes Ich: Das Ensemble Artig beschäftigt sich in „Fatum“ mit Schicksal und Plänen im Wandel der Zeit.
Gespiegeltes Ich: Das Ensemble Artig beschäftigt sich in „Fatum“ mit Schicksal und Plänen im Wandel der Zeit. Foto: Franca Porsch

Los geht es mit den 50er Jahren, die heute manchmal die goldenen genannt werden. Gefühlige Schlager, Werbefilme und Wochenschauen markieren die Epoche. Und natürlich die Kleider, die die Darstellerinnen anprobieren wie eine Identität. Hier sind sie gerade mal 17 Jahre alt, jung, naiv und voller Schwärmereien. Jungs spielen eine Rolle, klar, aber auch die Schule und erste Lebensentwürfe.

Es geht lebendig zu auf der Bühne. Spielleiter Christian Reick setzt auf ausdrucksstark kurze Szenen, die Mädchen auf ihr jugendliches Temperament. Kichernd zitieren sie aus Aufklärungsbüchern oder fassen ihre Situation in Reime. Für die Choreographie haben sie Yoshiko Waki von Bodytalk ins Boot geholt, mit deren Hilfe auch wuselige Massenauftritte glatt über die Bühne gehen. Eindrucksvoll gestaltet sich ein Tanz mit verglasten Rahmen, in deren Scheiben die Protagonistinnen ihr junges Ich spiegeln.

Später tauschen sie die Petticoats der 50er gegen die Mode der 80er. Die Musik wird aufdringlicher, und von der Unbeschwertheit der frühen Jahre ist jetzt nichts mehr zu spüren. Mancher Lebensentwurf scheint sich erfüllt zu haben – bei der Ärztin beispielsweise oder bei der Politikerin, die für Frauenrechte eintritt. Eine feiert Silberne Hochzeit, eine andere ist Single und mit 47 immer noch auf der Suche. Eine dritte heißt jetzt Frau Rosental, und ihr Mann weiß, „was gut für sie ist“.

Letzte Station ist das Hier und Heute. Aus den Mädchen von einst sind ältere Damen geworden. Einige hat es bereits ins Altenheim verschlagen, andere stehen noch voll im Leben und geben ihre Erfahrung an Jüngere weiter. Eine hatte Krebs und ist seit 30 Jahren tot. Zufall? Schicksal? Darauf finden die Schauspielerinnen auch keine Antwort. Und wollen vielleicht auch gar keine finden, weil man es eh nicht hätte ändern können. Aber ihre Reflexion darüber kann sich sehen lassen.

Zum Thema

Eine weitere Vorstellung ist am Freitag (19. Januar) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Karten: ' 23 34 43.

...
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5436466?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Graffiti-Sprayer von Polizei enttarnt
In weiten Teilen der Stadt hat der Sprayer solche Männchen auf die Fassaden gemalt – unter anderem an der Schillerstraße.
Nachrichten-Ticker