Schnaufen im Diskurs-Parcours
Mächtig Spaß und Spott im Jubiläumsprogramm von „Kappe App“ bei Lappe

Münster -

Nur ein Kölner würde bei Karneval ohne Narrenkappe und Blaskapellen-Tusch den Untergang des Abendlandes heraufdämmern sehen. Das diesjährige Karnevalsensemble „Kappe App“ zelebrierte zum 25-jährigen Jubiläum dagegen mit Lust und Laune den subversiven Abdrift: statt Tusch die kalte Dusche für die Realpolitik, statt pompösen Blödsinn die flotte Pointe.

Sonntag, 04.02.2018, 17:02 Uhr

Die Kappe hat nur Ulrich Sprenger auf. Mitleidig bestaunen ihn dafür (v.l.) Manni Kehr, Cornelia Kabbaj, Michael Tumbrinck, Björn Schimpf, Marcello Lang, Michael Holz und Matthias Menne.
Die Kappe hat nur Ulrich Sprenger auf. Mitleidig bestaunen ihn dafür (v.l.) Manni Kehr, Cornelia Kabbaj, Michael Tumbrinck, Björn Schimpf, Marcello Lang, Michael Holz und Matthias Menne. Foto: Günter Moseler

Kerzenschein auf Biertischen und Bänken leuchtete bei Lappe an der Nieberdingstraße dem Publikum heim und den Anti-Jecken in (Un-)Tiefen kalkulierter Comedy-Choreographie hinein. Als Intro skandierten die Damen und Herren der Jubiläums-Combo Aretha Franklins berühmte Textzeile „Forever and ever“, dabei anmutig in Zellophan-Silberkitteln über die Bühne swingend. Marcello Lang mit Propeller-Mütze vollführte einen einsamen Kampf mit dem Mikrofon, bevor er das Geheimnis eines schwebenden Riesenpakets zu lüften versuchte. Aus dem heraus spazierte die zierliche Cornelia Kabbaj direkt in den nächsten Sketch: Schon joggte sie für die „#Metoo“-Debatte mit Gaby Brüning ihre Empörungsrunden: „Packt dich der Björn auch ständig an?“ Bald ist auch Björn (Schimpf) mit von der Partie, gemeinsam durchschnaufen sie ihren heiklen Diskurs-Parcours.

Zwischen Spaß und Spott, Zoff und Zote, Witz und Wagnis wirbelte so ziemlich alles durch den Karnevals­äther. Lässig testete man telegene Zumutungen: „In einem Münster-Tatort gibt’s mehr Tote, als Münster in einem Jahr zu bieten hat!“. Die FDP wurde als „monetäre Sekte“ geoutet, und alles, was der Verfassungsschutz nicht im Visier hat, darf sich „Demokrat“ nennen: ein Seitenhieb für die AfD, dessen Eleganz für diese Partei fast schon vergeudet schien.

Der selbstmähende Rasenmäher „Yolanthe“ provozierte Matthias Menne zu diskreten Spekulationen über sensible „Sensorenmagie“, und Michael Tumbrinck als nostalgischer Penner sonnte sich in uferlosem Staunen übers Palaver-Pingpong der „new generation“: „Die digitale Revolution frisst ihre Kinder!“. Vielleicht ist Karneval auch gar nicht sooo witzig: Ulrich Sprenger trug zwar die obligatorische Narrenkappe, aber nur, weil er von seiner Frau zum Narren gehalten worden war: „Ein Ja-Wort stand im Raum – für mich ein Alb, für sie ein Traum!“ Matthias Menne und Manni Kehr entdeckten in ihrem Fünf-Minuten-Polittalk den „gleichen Wortstamm von Demokratie und Demenz“, dann noch schnell ein melancholisches Liedchen von Björn: „Wir essen viereckiges Brot, wir trinken viereckige Milch – das ist keine Poesie, das ist – langweeeeeiiiilig!“. Das war der Abend keine Sekunde lang!

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Die „Kappe App“-Vorstellungen bei Lappe, Nieberdingstraße, sind am 9. und 10. Februar (dann mit anschließender öffentlicher Party) um 20 Uhr sowie am 11. Februar um 18 Uhr, ferner am 16. und 17. Februar um 20 Uhr. Karten gibt es im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt, unter ' 690 49 33 oder online. | kappe-app.de

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