Künstlerische Begegnungen im Landesmuseum
Aufzeichnungen des Politischen

Münster -

In der aktuellen Sonderausstellung „Unerwartete Begegnungen“ zeigt das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster zurzeit rund 140 Arbeiten aus der umfangreichen Sammlung der Westfälischen Provinzial. Die Skulpturen, Textilarbeiten, Por­träts, Fotografien und Installationen der vertretenen Künstler verbildlichen den Bestand und sind ein Abriss der Sammlungsschwerpunkte. Das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) stellt einzelne Künstler und Werke der Sonderausstellung exemplarisch vor:

Sonntag, 18.02.2018, 16:02 Uhr

Flüchtlingsboote vorm Kanzlerinnenamt: „Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter“ hat Andreas Siekmann diese Arbeit aus dem Jahr 2016 genannt.
Flüchtlingsboote vorm Kanzlerinnenamt: „Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter“ hat Andreas Siekmann diese Arbeit aus dem Jahr 2016 genannt. Foto: LWL / Hanna Neander

Andreas Siekmann macht mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten auf vorhandene und entstehende Missverhältnisse aufmerksam und konfrontiert die Betrachter mit aktuellen politischen Ereignissen und dringlichen Fragestellungen. Seine künstlerische Praxis besteht dabei aus langfristig angelegten Projekten.

Die aus 68 kleinformatigen Aquarellen bestehende Serie „Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter“ ist im LWL-Museum für Kunst und Kultur zu sehen. Die in einem Skizzenbuch mit Bleistift und Aquarell festgehaltenen Zeichnungen zeigen verschiedene Ideen für Installationen im öffentlichen Raum. Die Zeichnungen lassen sich in insgesamt 28 Gruppen gliedern, die jeweils unterschiedliche Fragestellungen zu gesellschaftspolitischen Themen aufgreifen: Wie können die Folgen des industriellen Sojaanbaus für Mensch und Natur auch dort anschaulich gemacht werden, wo es keine Sojafelder gibt? Ist es moralisch vertretbar, dass Bundestagsabgeordnete sich in ein Flüchtlingsschlauchboot in der Spree mitten in Berlin setzen, um die Gefahren einer Mittelmeerüberquerung besser nachvollziehen zu können? Der Inhalt der Aquarelle steht dabei im Gegensatz zur illustrativen, klassischen Ausführung als farbige Handzeichnungen. Die Mischung aus der Analyse aktueller Ereignisse und einer Form von historischer Bildforschung machen die Zeichnungszyklen des Künstlers aus. Ausgangspunkt ist für ihn dabei die Frage, wie ökonomische und politische Prozesse sichtbar gemacht werden können.

Zur Finissage am Sonntag findet um 12 Uhr ein Künstlergespräch mit Andreas Siekmann im Landesmuseum statt. Der Konrad-von-Soest-Preisträger 2016 und Teilnehmer der Skulptur-Projekte 2007 ist bekannt für gesellschaftskritische Positionen. Im Gespräch mit der Kuratorin Marijke Lukowicz erläutert Siekmann sein künstlerisches Schaffen. Zudem hinterfragt er das Verhältnis der Freien Kunst und der Unternehmenssammlungen als Teil des Kunstgeschehens.

Zum Thema

Die Sonderausstellung „Unerwartete Begegnungen. Nolde, Kippenberger, Fritsch & Co. in der Sammlung der Westfälischen Provinzial“ ist noch bis zum 25. Februar im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte am Domplatz zu sehen.  | Wird fortgesetzt

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