Tuğsal Moğuls „Der kleine Spatz vom Bosporus“
Sämtliche Töchter aus „Anatevka“

Münster -

„Niemand hält den kleinen Spatz auf, wenn er fliegen will“, sagt Selma und fängt zu singen an. Es sind die Lieder der türkischen Sängerin Sezen Aksu, die ihrer Reise die Richtung geben. Und diese Reise führt Selma erst von Ostberlin nach Westberlin und dann weiter nach Istanbul. Dort hofft sie ihren Vater zu finden, einen türkischen Gastarbeiter, der ohne sie in seine Heimat zurückgekehrt ist.

Sonntag, 25.02.2018, 15:02 Uhr

Christiane Hagedorn spielt und singt die Geschichte der Selma – sowie ihrer deutschen Mutter Gudrun und ihres türkischen Vaters Memet.
Christiane Hagedorn spielt und singt die Geschichte der Selma – sowie ihrer deutschen Mutter Gudrun und ihres türkischen Vaters Memet. Foto: Ralf Emmerich

Es ist eine Art Spurensuche, die Tuğsal Moğul mit seinem neuen Stück „Der kleine Spatz vom Bosporus“ im Pumpenhaus auf die Bühne bringt. Es geht um Grenzen, um Nationen und um Liebe, die diese Grenzen manchmal überwindet, manchmal auch nicht. Gleichzeitig ist das Stück eine Hommage an die türkische Sängerin Sezen Aksu, deren Musik man eine völkerverbindende Kraft nachsagt. Christiane Hagedorn hat die zwischen Pop und Chanson angesiedelten Lieder mit der Band Anahtar-Bahnhof einstudiert und interpretiert sie mit all dem Gefühl, das Selmas Geschichte verlangt.

Diese Geschichte beginnt in den 1960er Jahren, als Memet, ein junger Elektriker aus der Türkei, als Gastarbeiter nach Westberlin kommt und dort eine Familie gründet. Doch dann verliebt er sich in das Ostberliner Mädchen Gudrun und zeugt mit ihr eine Tochter: Selma. Eine Zeit lang führt er ein unbeschwertes Doppelleben in den beiden durch die Mauer strikt getrennten Teilen der Stadt. Doch irgendwann ist es vorbei mit dem Wirtschaftswunder, und er wird in die Türkei zurückgeschickt.

Darstellerisch legt sich Hagedorn bei den verschiedenen Rollen gehörig ins Zeug. Sie lässt Gudrun auf kesse Weise berlinern und gibt Memet genau den draufgängerischen Charme mit auf den Weg, der ihn bei den Frauen landen lässt. Als Selma ist sie erst das verletzte kleine Mädchen, das sich von ihrem Vater verraten glaubt, später die selbstbewusste junge Frau, die sich für eine Karriere als Sängerin entscheidet.

Neben der Musik kommt auch die Komik nicht zu kurz, gerade wenn Selma durch die ostdeutsche Provinz tingelt, wo sie der Reihe nach sämtliche Töchterrollen aus „Anatevka“ übernimmt.

„Der kleine Spatz vom Bosporus“ ist eine gelungene Mischung aus Konzert und Schauspiel. Auf unterhaltsame Weise erzählen Moğul und Hagedorn hier eine Geschichte, die das Zeug hat, Brücken zu bauen und Animositäten zwischen den Kulturen zu überwinden – auch dann, wenn man die türkischen Liedtexte nicht versteht.

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