Christian Fries im Pumpenhaus
Annäherungsversuch in drei Teilen

Münster -

„Sie könnten erst einmal so höflich sein, mir guten Tag zu sagen!“ Der Titel von Christian Fries’ neuer Inszenierung kommt einigermaßen sperrig daher. Aber der Roman, der dem Stück zugrunde liegt, ist auch nicht gerade handlich. Es geht um Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, jenes siebenbändige Mammutwerk, in dem der Autor sein Leben und das der französischen Gesellschaft zu Beginn der 20 Jahrhunderts reflektiert. Insbesondere geht es um den dritten Band, der die Welt des Adels beschreibt. Am Mittwochabend war Premiere im Pumpenhaus.

Donnerstag, 01.03.2018, 19:03 Uhr

Christian Fries im Pumpenhaus: Annäherungsversuch in drei Teilen
Regisseur Christian Fries versucht, sich in der Produktion „Sie könnten erst einmal so höflich sein, mir guten Tag zu sagen!“ dem Mammutwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust zu nähern. Foto: Galerie Gregor Staiger

Standesdünkel, geistreiche Belanglosigkeiten und eine vornehm gepflegte Langeweile bestimmen das Klima in den Salons. Das vierköpfige Ensemble tritt in Versatzstücken aus höfischen Gewändern auf und zieht über jeden her, der gerade nicht in Hörweite ist. Die Herren üben sich in nationaler Gesinnung, während die Damen sich durch die Hautevolee lästern. Chorisches Sprechen, sich verselbstständigende Gliedmaßen und in Zeitlupe gespielte Szenen sorgen für Komik und machen den ironischen Ton der literarischen Vorlage für das Publikum sinnlich erlebbar.

Eine Dreiviertelstunde dauert diese ebenso gelungene wie kurzweilige Milieustudie. Und sie weckt Erwartungen für den Rest des 100-minütigen Stücks. Doch dann ändert Fries die Herangehensweise. Der zweite Teil der Aufführung simuliert ein Filmset mit Videoprojektionen, abgeschnittenen Szenen und eingesprochenen Texten, die die Darsteller mit den Lippen nachformen. Das gestaltet sich alles ziemlich experimentell, wogegen an sich nichts zu sagen ist. Allerdings funktioniert es in diesem Falle eher schlecht als recht. Zu gewollt und bald auch ermüdend wirken die Bemühungen der Regie, mit Hilfe technischer und darstellerischer Verfremdung aus wenig viel zu machen, sodass auch die guten Schauspieler kaum mehr was retten können.

Ein wenig versöhnt kurz vor Schluss noch der dritte Teil, in dem sich Proust zur Homosexualität äußert. Fries bezeichnet den rund 20-minütigen Abschnitt als „Theoriebildung“ und inszeniert ihn als eine Art Vortrag, bei dem vereinzelt noch mal der Witz aus dem ersten Teil der Aufführung aufblitzt. Insgesamt sind es also eher gemischte Gefühle, die die Aufführung hinterlässt.

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Weitere Aufführungen: Freitag und Samstag (2. und 3. März) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße. Karten: ' 23 34 43.

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