Manuel Roque mit der Choreographie „Bang bang“ im Pumpenhaus
Triumph schweißtreibender Beinarbeit

Münster -

Manuel Roques neue Tanzproduktion beginnt denkbar nüchtern. Bei greller Beleuchtung betritt er die Bühne des Pumpenhauses und fängt an, gymnastisch in den Knien zu wippen.

Mittwoch, 07.03.2018, 19:03 Uhr

Manuel Roque hat in seiner Choreographie „Bang bang“ eine höchst eigene Ästhetik entwickelt.
Manuel Roque hat in seiner Choreographie „Bang bang“ eine höchst eigene Ästhetik entwickelt. Foto: Marilène Bastien

Manuel Roques neue Tanzproduktion beginnt denkbar nüchtern. Bei greller Beleuchtung betritt er die Bühne des Pumpenhauses und fängt an, gymnastisch in den Knien zu wippen. Das geht mehrere Minuten so und folgt genau dem Takt, den ein monotoner Trommelschlag vorgibt. Von einer Herausforderung der Schwerkraft, wie es im Programm heißt, ist hier wenig zu spüren. Und wird es auch später nicht sein. „Bang bang“, so der Titel des Stücks, hat völlig andere Qualitäten.

Denn allmählich schleichen sich Zwischentakte in den Rhythmus des Tänzers – kleine, spielerisch gesetzte Unregelmäßigkeiten, die sich bald zu einer eigenständigen Gangart ausformen. Ausgreifender werden die Schrittfolgen dann und münden in eine Art Stepptanz mit stakkatohaften Sprints und plötzlichen Stopps. Die Trommel hat sich mittlerweile in ein elektronisches Fiepen verwandelt, das den Tänzer zusätzlich antreibt. Rastlose Beine bestimmen das Bild, und zuweilen kann man darin auch eine groteske Komik ausmachen.

Es ist eine höchst eigene Ästhetik, die Roque mit seinem schweißtreibenden Tanz auf die Bühne bringt. Man könnte es auch einen Triumph der Beinarbeit nennen. Denn sein Oberkörper zeigt sich von der Dynamik, die die unteren Partien an den Tag legen, merkwürdig unbeteiligt. Er ist gewissermaßen der ruhenden Pol in einem immer hektischer agierenden Umfeld. Bemerkenswert ist, dass die rastlosen Beine und der erdenschwer in sich ruhende Rumpf dabei doch eine Art Einheit bilden. Wie These und Antithese treten sie gegeneinander an, um sich am Ende in der Synthese des Tanzes aufzuheben.

„Bang bang“ erzählt keine Geschichte. Die Choreographie folgt einem seriellen Muster, wie man es im musikalischen Minimalismus findet. Entsprechend minimalistisch fällt auch die Dramaturgie aus. Es sind die kleinen Veränderungen, die den Zuschauer durch die knapp einstündige Aufführung tragen. Dazu gehören auch wechselnde Lichtstimmungen und sich verändernde Sounds wie kurz vor Schluss ein bedrohlich anschwellendes Hubschraubergeräusch. Dieses treibt den Tänzer tief in den Bühnennebel hinein, aus dem er sich nur durch ein hochfrequentes Trippeln wieder befreien kann. Wie gesagt, ein Triumph der Beinarbeit.

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