Premiere im Pumpenhaus: „Ein neues Land“ von Rue Obscure
Science-Fiction für Auge und Ohr

Münster -

Die Szene erinnert ein wenig an Charlie Chaplin in „Modern Times“. Der namenlose Einwanderer hat Arbeit in einer Fabrik gefunden und hetzt dort automatisierten Arbeitsabläufen hinterher, bis er erschöpft am Boden liegt. Einen gravierenden Unterschied zu Chaplins Film gibt es allerdings.

Freitag, 16.03.2018, 23:03 Uhr

Lena Wimmer schlüpfte in die Rolle des Chefs, der den Einwanderer (Gildas Coustier) in die Arbeit einweist.
Lena Wimmer schlüpfte in die Rolle des Chefs, der den Einwanderer (Gildas Coustier) in die Arbeit einweist. Foto: Ralf Emmerich

Die Szene erinnert ein wenig an Charlie Chaplin in „Modern Times“. Der namenlose Einwanderer hat Arbeit in einer Fabrik gefunden und hetzt dort automatisierten Arbeitsabläufen hinterher, bis er erschöpft am Boden liegt. Einen gravierenden Unterschied zu Chaplins Film gibt es allerdings. Der Chef, der seinem Angestellten am Ende den Lohn auszahlt, hat selber mitgearbeitet und sich dabei nicht weniger verausgabt als dieser.

„Ein neues Land“ nennt das Theaterlabel Rue Obscure sein Stück, das am Donnerstag im Pumpenhaus Premiere hatte. Es basiert auf der Graphic Novel „The Arrival“ des Australiers Shaun Tan und erzählt von einem Vater, der aus wirtschaftlichen Gründen seine Heimat verlässt. Namen werden nicht genannt, weder von Ländern noch von Personen. Das macht die Geschichte in gewisser Weise exemplarisch. Auch kommt sie weitgehend ohne Worte aus. Für die Augen hingegen hat sie einiges zu bieten. Und dank Milian Feys musikalischer Begleitung an E-Gitarre und Elektronik auch für das Ohr.

Karina Behrend und Anne Keller von Rue Obscure sind Bastlerinnen vor dem Herrn. Aus bemaltem Pappkarton haben sie eine faszinierende Comic-Welt geschaffen, in der Gildas Coustier in der Rolle des Einwanderers zunächst diverse Aufnahme-Prozeduren durchläuft. Dazu gehört auch die akribische Vermessung seines Körper inklusive Prüfung der Statik, für die Lena Wimmer als Ärztin auf seinen Rücken klettert. Später bekommt er eine Wohnung zugewiesen, die mit zwei Händen, die aus einer Klappe in der Wand ragen und diverse Dienstleistungen ausführen, ziemlich nach Science-Fiction aussieht.

In Nelly T. Kösters Inszenierung ist es insgesamt eine sehr freundliche, fast schon märchenhaft anmutende Welt, die den Flüchtling aufnimmt. Zwar gibt es immer wieder kulturell bedingte Missverständnisse, aber die sorgen hier eher für Komik. Was der Geschichte trotzdem einen bitteren und damit wohl auch realistischeren Anstrich verleiht, ist die Trennung des Protagonisten von seiner Familie und die daraus resultierende Einsamkeit. Es ist gewissermaßen sein komplettes früheres Leben, das ihm in der Fremde verloren geht. Und dieser Aspekt macht aus der anfangs so leicht und poetisch anmutenden Geschichte dann doch noch eine ernst Angelegenheit.

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Die nächste Vorstellungen gibt es am Samstag und Sonntag (17. und 18. März) im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Karten: ' 233443.

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