Alina und Nikolay Shalamov beim Erbdrostenhofkonzert
Begeisternde Klavierkunst

Münster -

Das letzte Erbdrostenhofkonzert der aktuellen Saison stand am Montagabend im Zeichen romantischer, impressionistischer und moderner Klavierkunst. Mit Alina und Nikolay Shalamov gelang es den Organisatoren, eines der aktuell weltweit wohl gefragtesten Klavierduos der jüngeren Generation zu engagieren.

Dienstag, 20.03.2018, 19:03 Uhr

Alina und Nikolay Shalamov am Eradflügel (1891)
Alina und Nikolay Shalamov am Eradflügel (1891) Foto: Ulrich Coppel

2015 gewannen die beiden Ausnahmepianisten neben dem ersten Preis des ARD-Wettbewerbes dort obendrein auch den Preis für die beste Aufführung des Pflichtstückes sowie den Publikumspreis. Entsprechend groß war das Interesse der münsterischen Klassikfans: Der Erbdrostenhof war ausverkauft.

Der zeitgenössische ungarische Komponist György Kurtág veröffentlicht in der Reihe „Játekok“ seit den 70er Jahren fortlaufend moderne, kurze, zum Teil minimalistische Klaviersätze. Einige davon schoben Alina und Nikolay Shalamov zwischen die einzelnen Sätze aus Debussys „Petite Suite“. Die krasse, bohrende Prägnanz dreier Töne, die Kurtág in einem der Sätze ausschließlich verwandt, kontrastierte Debussys zartes, stets im Ungefähren gehaltene Spiel aus Licht und Schatten. Dies bewirkte jedoch interessanterweise keine Vermengung im Sinne des Eindrucks einer Collage, sondern konzentrierte lediglich die Wirkung der Reinheit jedes einzelnen unabhängigen Satzes.

Anschließend boten zunächst Nikolay mit Franz Liszts „En rêve“, „Bagatelle sans tonalité“ und „Nuages gris“, gefolgt von Alina Shalamov mit Robert Schumanns „Geistervariationen“ solistische Extraklasse. Souverän durchmaßen sie auf dem historischen Eradflügel, entstanden 1891 in Paris, die wilde Romantik – ohne jedoch den Lockungen allzu stürmischer Dynamik jenseits der bautechnischen Grenzen des Instruments zu erliegen.

Dieses letzte Werk Robert Schumanns vor seiner Einlieferung in die Nervenheilanstalt verwandte Johannes Brahms später für seine „Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 23 für Klavier zu vier Händen“, welches am Beginn der zweiten Konzerthälfte stand. In tiefster innerer Verbundenheit entwarfen die beiden hier ein Bild von Trost und auch Zuversicht, das Robert Schumanns zerrissenen „Geistervariationen“ stark und fest gegenüberstand.

Mit Maurice Ravels „Rhapsodie espagnole“ endete das herausragende Konzert mit einem impressionistischen Klammerschluss. Ein Abend voll größter Klavierkunst endete mit zwei Zugaben, Bravi-Rufen und stehenden Ovationen.

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