„Scherzi Musicali“ in der Observantenkirche
Ein Hauch von Knabensopran

Münster -

Wenn man den bärtigen jungen Mann vor sich sieht, wie er an den Saiten zupft, den eigenen Gesang begleitend, könnte man Nicolas Achten glatt für einen „Liedermacher“ aus alten Zeiten halten. Halb Bänkelsänger, halb Songpoet heutiger Zeit. Aber der Eindruck täuscht natürlich. Seine „Gitarre“ ist eine riesige Basslaute (Theorbe), und seine Musik stammt von Heinrich Schütz. Eine Musik, der es nicht im Traum einfiele, satirisch die Gesellschaft zu spiegeln – sie singt zum Lobpreis Gottes. In immer ähnlichen, doch immer wieder neuen kunstvollen Variationen. Daran konnte man sich in der Observantenkirche kaum satthören.

Montag, 02.04.2018, 17:04 Uhr

Musik von Schütz und Buxtehude bot das Ensemble „Scherzi Musicali“ in der Observantenkirche.
Musik von Schütz und Buxtehude bot das Ensemble „Scherzi Musicali“ in der Observantenkirche. Foto: zin

Nicolas Achten ist künstlerischer Leiter des belgischen Ensembles „Scherzi Musicali“, das zu den Stars der „jungen“ Alte-Musik-Szene zählt. Und Schütz, der Meister des Frühbarock, kam hier nicht als Künstler jener vokalen, sphärischen Motetten-Polyphonie daher, für die er vor allem berühmt ist. Hier erklang die modernere Monodie italienischen Stils (zum Beispiel Monteverdi), geistliche Gesänge, von einer einzigen Stimme getragen und von einer wunderbar farbigen Instrumentalgruppe begleitet. Patrizio Germone und Lina Manrique (Barockgeigen), Mathilde Wolfs (Cello), Mathieu Valfré (Orgel) – und die Sopranistin Wi Lian Huang. Sie war mit ihrem klaren, quasi instrumental geführten Sopran das perfekte Gegengewicht zum kernigen Bariton Achtens. Die Stücke stammten teils aus Schütz’ „Sinfoniae sacrae II“ von 1647 und wurden hinreißend dargeboten. Zur klanglichen Auflockerung waren alternierend Instrumentalstücke von Dietrich Buxtehude eingeflochten (Sonata à 3); da konnten die Instrumentalisten gleichsam „pur“ glänzen.

Wie viel authentisches Gespür Wi Lian Huang für die frühbarocken Kleinodien aufbrachte, war so faszinierend, dass man den Atem anhielt. Wie tänzerisch leicht ihre Koloraturen daherkamen („Herr unser Herrscher“, Psalm 8), wie perfekt die stimmliche Dynamik mit den Instrumenten ausbalanciert war! Huangs Timbre verströmt einen kleinen Hauch von Knabensopran – was diese Musik umso authentischer klingen lässt.

Das Wichtigste aber war die lebendige Freude an dieser Musik, die dem Ohr entgegen sprang. Den weltlichen Freuden wurde am Ende von Meister Schütz auch die Ehre gegeben: „Iss dein Brot mit Freuden und trinke deinen Wein mit gutem Mut.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5633762?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Einkaufstour vor laufender Kamera
Freundin Christiane Reher (l.) hat Tanja Ostgathe auf der Shopping-Queen Einkaufstour begleitet
Nachrichten-Ticker