David Kilinçs und Thomas Bartlings Performance „Let’s Talk About Love“
Am Ende zählt nur die Liebe

Münster -

Sollte man das Programm angesichts des entsetzlichen Vorfalls in der Innenstadt absagen? Die Veranstalter der Reihe „Wildwuchs – Freie Szene“ im Pumpenhaus trafen keine leichte, aber eine überzeugende Entscheidung: Der musikalische Abend mit den Bands Didekind und François Dillinger und der Performance „Let’s Talk About Love“ sollte ein Signal der Verbundenheit und des Trosts an alle von der Amok-Fahrt Betroffenen senden.

Sonntag, 08.04.2018, 16:04 Uhr

Ein gewitzte Hommage an die Kraft der Liebe, gerade in schwierigen Zeiten: die Performance „Let‘s Talk About Love“ von David Kilinç (links) und Thomas Bartling.
Ein gewitzte Hommage an die Kraft der Liebe, gerade in schwierigen Zeiten: die Performance „Let‘s Talk About Love“ von David Kilinç (links) und Thomas Bartling. Foto: Müller

Denn was eignete sich dazu besser als eine Hommage an die Kraft der Liebe? David Kilinç und Thomas Bartling haben sich für „Let’s Talk About Love“ am gleichnamigen Album der kanadischen Sängerin Celine Dion abgearbeitet. Der 1997 erschienene Kassenschlager voller hochgezüchteter Schmonzetten, für beide eine prägende Komponente ihrer popkulturellen Sozialisation, erfuhr eine neue Besichtigung – und aberwitzige Visualisierungen. Zu jedem Titel des Albums entwarfen sie eine schillernde Performance. In die Choreografie zum künstlich verleierten „Treat Her Like a Lady“ mischten sie (in Glitzerfummeln) Schuhplattler, Walzer, Hüftstöße. Aus Dions Duett mit Barbra Streisand wurde ein körperloser Dialog zweier Lichter, gepitcht von den exaltierten Hochleistungsgesängen der beiden Diven. Zu Pavarottis musikalischer Kooperation „I Hate You Then I Love You“ sprudelten sich Kilinç und Bartling mündlich Wasser zu. Und natürlich durfte der „Titanic“-Soundtrack nicht fehlen, als Karaoke, inbrünstig vom Publikum gesungen. Die begleitende autobiografische Erzählung erhob diese Inszenierung weit über schale Ironie. Das war „camp“ im besten Sinne, weil es zeigte, wie Kitsch und authentisches Erleben fruchtbar koexistieren.

In völlig anderen Genres wilderten danach die jungen münsterschen Bands Didekind und François Dillinger. Anton Zimmermann und Daniel Larsen gehören beiden an. Als experimentierfreudiges Duo Didekind oszillierten sie lässig zwischen verwickelten Breakbeats, Garage-Rock und vagabundierendem Piano-Shuffle. Beim Quintett François Dillinger stellten sie sich in den Dienst einer originellen Fusion von Americana-behauchtem Indie-Rock und aufgeräumter deutschsprachiger Poesie, die bisweilen dräuende Soundtrackmotive flankierten. Diese spannende Kombination aus Stilbewusstsein, Wucht und Zurückhaltung im münsterischen Pumpenhaus fesselte immens.

Von mysteriösen Verwundungen wurde auf der Bühne gesungen. Der Tag in Münster hatte sie auf erschreckende Weise gebracht.

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