Chöre der Universitäten Poitiers und Münster
Aller Schwerkraft enthoben

Münster -

Kaum ein Videospiel oder Fantasyfilm ohne den Abdrift ins Spektakuläre und Sensationelle, Magie, Zeitreisen und Weltuntergänge inklusive. So mobilisiert die Apokalypsen-Dramaturgie von „Game of Thrones“ archaische Tendenzen, die in Endlosschleife einer finalen Katastrophe entgegenrollen. Das Motto „Reise in fantastische Welten“ des Co-Konzerts des Universitätschors Münster sowie Chor und Orchester der Universität Poitiers zielte exakt auf diese virtuellen Superserienwelten und ihre Geheimcodes: Offensichtlich rechnete man in der Aasee-Aula mit Publikum aus verschworenen Eingeweihten.

Sonntag, 15.04.2018, 14:04 Uhr

Die imposante Chorgemeinschaft
Die imposante Chorgemeinschaft Foto: Günter Moseler

Von „Civilization“ über „The Legend of Zelda“ und „Das Schloss im Himmel“ bis zu „Fullmetal Alchemist“, der Serie „Doctor Who“ – seit 1963, also Steinzeit – hin zu „Skyrim“ und „Assassin’s Creed“: Ein Megameeting von Globalstrategie, Anime, Manga, Computer-Rollenspiel und Action-Adventure. Dieser visuelle Kosmos für PC-Kosmonauten darf natürlich nicht sang- und klanglos auf- oder untergehen – kein Bild ohne Filmmusik. „Der Traum vom Fliegen“ aus der sechsten „Civilization“-Staffel segelte in melodiöser Slow Motion durch Christopher Tins Weltall-Partitur, romantischer Hörnerschall wahrte eine gewisse Bodenhaftung. Ostinati, das gläserne Konfetti des Glockenspiels und pastorale Flötentöne zogen durch ein Medley der Musik für das notorische „Game of Thrones“ und in „Final Fantasy VIII“ beschworen „Hexen, Feen und Helden“ in sibyllinischer Eintracht eine „Musik zum Träumen und Entspannen“, so die Anmoderation aus dem Off. Blumige Arpeggien des Klaviers präludierten Koji Kondos „Großen Feen-Brunnen“, Flöten säuselten, der Chor schwelgte vielsagend in Vokalisen.

Chor und Orchester schienen bisweilen aller Schwerkraft enthoben, selbst die Intonation schwebte taktweise in höheren Regionen. Sphärische Töne waren Trumpf, störungsfreie Harmonien jedem Höhenflug zugetan. Dissonanz schien in diesem „Krieg-der-Sterne“-Milieu ein Sakrileg. In allen musikalischen Parametern dominierte ein seliges Trudeln und Taumeln im Vokalen wie Instrumentalen.

Die „fantastischen Welten“ blieben von der Musik unberührt, die fast programmatisch vom Irgendwo zum Nirgendwo unterwegs war und Chor und Orchester unter der engagierten Leitung von Dorothee und Augustin Maillard als Gästen äußerste Zuversicht ins kosmisch-komische Geschehen abverlangte. Herzlicher Beifall blieb, als sollte noch im Rückblick die Spielkonsole als Tor zur Welt rehabilitiert werden.

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