Performance von Stefan Nászay
Der Kohlkopf wartet derweil

Münster -

Die Reise in die Nacht beginnt an einem strahlenden Frühlingsabend. Aber auf der Bühne ist es so dunkel, wie es nur sein kann. Lange Zeit hört man nichts als Fußgetrappel. Als die Scheinwerfer dann doch einen schwachen Schimmer erzeugen, sieht man einen Mann mit nacktem Oberkörper um ein Eisengestell laufen. Später wird er sich dem Gestell vorsichtig nähern und dabei versonnen blicken. Ein paar Mal wird er es auch anfassen, an der Oberfläche der Rohre herumkratzen und am Ende sogar hinaufsteigen. Auf einem zweiten Gestell, etwas abseits vom ersten, ruht derweil ein Kohlkopf und wartet darauf, verspeist zu werden.

Sonntag, 22.04.2018, 17:04 Uhr

Zwei Eisengestelle, das rechte trägt einen Kohlkopf, stehen im Zentrum von Stefan Nászays hermetischer Performance im Pumpenhaus
Zwei Eisengestelle, das rechte trägt einen Kohlkopf, stehen im Zentrum von Stefan Nászays hermetischer Performance im Pumpenhaus Foto: jas

„Schließe die Augen, ich bin es nicht, mein Herz ein tiefer Brunnen“, nennt Stefan Nászay seine Performance, die am Freitag beim Wildwuchs-Festival im Pumpenhaus Premiere hatte. Ein Mann verliert sich „im Labyrinth der Gefühle“, heißt es im Programmzettel. Von „Bilderwelten ohne Grenzen“ ist die Rede und von Traum und Wirklichkeit, die verwischen. Das mag ja alles sein. Aber das Publikum merkt davon wenig. Wenn sich hier was abspielt, geschieht das allein im Kopf des Spielers. Und in den kann man nicht hineinschauen.

Was Nászay auf die Bühne bringt, ist mehr als hermetisch. Man kann damit auf verschiedene Weise umgehen. Nimmt man es als performativen Akt, der nicht nach Sinn und Bedeutung fragt, dann hat das Ganze durchaus meditatives Potenzial. Minimalistisch sind die Aktionen, die aus der Innenwelt des Protagonisten nach außen dringen. Und sie schreien nicht gerade nach Interpretation. Dafür strahlen sie große Ruhe aus.

Wenn Nászay mit bedeutungsvollem Gesichtsausdruck auf dem Gestell liegt und dabei den Bauch graziös durch die Streben hängen lässt, hat das was ungeheuer Entspannendes. Yoga fürs Auge gewissermaßen.

„Schließe die Augen“ ist eine durch und durch defensive Inszenierung. Hier wird dem Zuschauer nichts aufgedrängt. Ob er was daraus macht, ist ihm selbst überlassen. Er kann sich auch völlig in sich selbst zurückziehen und das Geschehen auf der Bühne als Tor zur eigenen Gedankenwelt benutzen.

Damit hat der Zuschauer eine Stunde lang Ruhe und Einkehr, wie er sie in der Welt draußen selten findet. Auch das darf man nicht unterschätzen.

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