Daniel Tripp stellte „Karoshi“ im Wewerka-Pavillon vor
Schuften bis zum Zusammenbruch

Münster -

Der Betrachter mag angesichts der spielerischen Konstruktionen vielleicht nicht glauben, dass der Hintergrund der Installation „Karōshi“ von Daniel Tripp einen traurigen, ja bestürzenden, vielleicht sogar gesellschaftskritischen Hintergrund hat. Die neuste Arbeit im Wewerka-Pavillon ist angeregt durch Tod und Arbeit, Perfektion und Schönheit, Disziplin und Spiel.

Montag, 23.04.2018, 20:04 Uhr

  Socken werden von einem Motor unermüdlich und erbarmungslos über den Laufsteg gezogen.
  Socken werden von einem Motor unermüdlich und erbarmungslos über den Laufsteg gezogen. Foto: Gerhard H. Kock

Daniel Tripp im Wewerka-Pavillon

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Eine erste Anmutung vermittelt den Eindruck eines verlassenen Theaters, eines Ortes, wo Menschen nicht mehr sind. Ein Paravent und ein Laufsteg teilen den gläsernen Wewerka-Pavillon raumgreifend. Tristesse verbreiten jene schlaffen Socken, die gnadenlos unermüdlich von einem Motor über den Holz-Steg gezogen werden. Auf den gefächerten Platten sind Rehe mit Fadenkreuz zu sehen – zum Abschuss freigegeben. Vielleicht nicht nur sie . . . Hände und Füße (Gipsabdrücke der Künstlergliedmaßen) liegen um ein aufgezeichnetes ­Karree herum, denn wie ächzen und stöhnen die Hamster im Raster-Rad? „Ich reiß mir ein Bein aus.“ Ein Uhrpendel tippt Trommeln an, und nachts flackert ein Papier-Lampionschirm – Wackelkontakt.

Angeregt wurde der gebürtige Münsteraner (Jahrgang 1993), der seit 2013 an der Kunstakademie Münster studiert, durch Japan: „Karōshi“ nennt man im Land der aufgehenden Sonne den Tod durch Überarbeiten. Dort gibt es auch das 600 Jahre alte Noh-Theater. Schon ab sieben Jahren werden Kinder auf die exakt festgelegten Bewegungsvokabeln gedrillt. Hinter Masken, die nur einen schmalen Schlitz zur Orientierung haben, bewegen sich die rein männlichen Schauspieler über eine abgezirkelte Bühne wie Maschinen – bis zum Umfallen.

Diesen ästhetisierten Perfektionswahn (in der Samurai-Hoch-Zeit entstanden) konterkariert Tipp mit poetischen Anspielungen, die Erschöpfung und Mitgefühl ebenso zu vermitteln verstehen, wie Kopfschütteln über die Absurdität jenes Unterfangens.

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Die Eröffnung ist am Dienstag (24. April) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon. Bis 10. Juni.

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