Israelisches Tanztheater zeigte im Pumpenhaus „Messer // Cut. Loose“
Leben – ein lebensgefährliches Gerangel

Münster -

Sie lieben und sie streiten sich, je nachdem, was die Situation gerade erfordert. Manchmal geht das eine direkt in das andere über. Eine völlig normale Paarbeziehung könnte man meinen. Aber Stav Marin und Neta Weiner gehen weiter. Nicht nur Worte sind Waffen, sondern auch die Musik und der Tanz. Und ein Messer, das immer mit im Spiel ist – sei es als Metapher oder als handfestes Angriffswerkzeug. In Israel wurde „Messer // Cut. Loose“ bereits mehrmals ausgezeichnet. Am Mittwochabend war das Stück im Pumpenhaus zu sehen.

Donnerstag, 03.05.2018, 17:05 Uhr

Das Messer befindet sich immer zwischen Neta Weiner und Stav Marin bei ihrem Tanztheater „Messer // Cut. Loose“.
Das Messer befindet sich immer zwischen Neta Weiner und Stav Marin bei ihrem Tanztheater „Messer // Cut. Loose“. Foto: Helmut Jasny

Eine quadratische Fläche mit Zuschauerreihen an jeder Seite bildet die Kampfzone. Die erste Szene wirkt noch wie eine Probe. Weiner drückt seiner Partnerin ein Messer in die Hand und fordert sie auf, es ihm ins Herz zu stoßen. Was folgt, ist ein wildes Gerangel, das irgendwie unentschieden ausgeht und mit der ironischen Wendung „Don’t try this at home“ in Richtung Publikum endet. Denn Humor legen die beiden bei ihrem martialischen Treiben durchaus auch an den Tag.

Alles Private ist politisch, postulierten die 68er. Das scheinen Marin und Weiner verinnerlicht zu haben. Vielleicht geht das gar nicht anders, wenn man aus einem Land wie Israel kommt. In den gegenseitigen Beschimpfungen schlägt sich oft die politische Weltlage nieder und wird so zur Folie für private Zwistigkeiten. Konflikte brechen aus und werden eingedämmt, um sofort wieder auszubrechen – hier in einer wilden, in Unterwäsche ausgetragenen Messerstecherei.

Ein weiteres Element, das mit dem Privaten verschmilzt, ist die populäre Kultur. Weiner liegt am Boden und fantasiert sich in die Dusch-Szene aus Hitchcocks „Psycho“, während Marin seinen Körper an allen möglichen Stellen mit dem Messer traktiert. Zum Ausgleich wird sie sich später mit dramatischer Pose selbst in die Klinge stürzen. Sogar im Gesang findet sich noch eine Waffe, wenn Weiner mit aggressivem Rappen Marins sanften Folksong attackiert.

„Messer // Cut. Loose“ ist ebenso unterhaltsames wie erhellendes Tanztheater, das mit der Verknüpfung formaler Mittel inhaltliche Zusammenhänge aufzeigt und am Ende mit der Aufforderung, selbst zum Messer zu greifen, auch das Publikum ins Spiel einbezieht.

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