Gemeinschaftsproduktion „Silmandé“ im Pumpenhaus
Abgesang auf den Planeten Erde

Münster -

Als „Future Performance“ bezeichnen das Ensemble Resonanz und das Theaterkollektiv Hajusom ihre Gemeinschaftsproduktion „Silmandé“. Und diese Zukunft sieht nicht sehr rosig aus. Eigentlich ist es eine Endzeit-Sinfonie, die am Samstag im Pumpenhaus auf die Bühne kam – ein Abgesang auf den Planeten Erde, den der Mensch durch Geldgier, Machtstreben und Ausbeutung zerstört hat.

Sonntag, 06.05.2018, 17:05 Uhr

Ein starkes Bild: die tänzerische Nachahmung von Arbeitsabläufen, die so lange forciert werden, bis später alle erschöpft am Boden liegen.
Ein starkes Bild: die tänzerische Nachahmung von Arbeitsabläufen, die so lange forciert werden, bis später alle erschöpft am Boden liegen. Foto: Arnold Morascher

Ein bisschen Hoffnung gibt es in dem düsteren Szenario aber auch. Und zwar in Form eines Gartens, der inmitten der Zerstörung gehegt und gepflegt wird. Jeder gepflanzte Baum sei wie ein Kind, das für eine bessere Zukunft erzogen wird, erklärt einer der Darsteller, während in einem Video Bilder des Gartens zu sehen sind. Er befindet sich in Burkina Faso und wurde von dem Musiker Patrick Kabré als Kunst und Ökoprojekt angelegt, um „die Utopien blühen zu lassen“, wie es heißt.

Auf musikalischer Ebene bestimmen neutönerische Klänge das Geschehen – ein Soundteppich, bei dem Streichinstrumente, Gesangsstimme und diverse Elektronik die Harmonien in schrille Höhen treiben. Politische Machtkämpfe werden auf diese Weise ebenso zelebriert wie Totentänze und Wirbelstürme. Die Apokalypse findet mit Heulen und Zähneklappern in einem Meer von Bühnennebel statt. Das neue Leben wird im gleißenden Licht einer Scheinwerfer-Rotunde geboren.

Die Bilder zum akustischen Geschehen liefert die Theatergruppe Hajusom, die vor 17 Jahren im Hamburg gegründet wurde und bei ihren Auftritten mit jungen Flüchtlingen arbeitet. Dabei zeichnen die Darsteller ebenjene Haltung nach, die zur Zerstörung der Erde führt. Themen wie Klimawandel, Profitstreben und die Ausbeutung armer Länder durch die Industrienationen werden in Spielszenen umgesetzt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen, manchmal aber auch etwas plakativ anmuten.

Es sind weniger die Dialoge als die Bilder, die hier Wirkung erzeugen. Am besten gelingt dies bei Szenen, in denen sich Katastrophen anbahnen. Etwa bei dem aufkommenden Wirbelwind, für den der Ausdruck „Silmandé“ steht und der die Darsteller zusammen mit einem Haufen Abfall von der Bühne zu fegen droht. Ebenfalls ein starkes Bild ist die tänzerische Nachahmung von Arbeitsabläufen, die so lange forciert werden, bis alle erschöpft am Boden liegen.

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