Bistum Münster lädt die Kunstakademie zum Thema „Frieden“ ein
Skulptur-Projekte im Dom

Münster -

Die fünf Ausstellungen zum Thema „Frieden“ im Archäologiemuseum, Landesmuseum, Picasso-Museum und Stadtmuseum mögen aufschlussreich sein. Richtig spannend wird es im Dom.

Mittwoch, 23.05.2018, 11:19 Uhr

Der muslimische Friedensgruß wird über dem Eingang zum Dom zu lesen sein (Fridolin Mestwerdt).   Der muslimische Friedensgruß wird über dem Eingang zum Dom zu lesen sein (Fridolin Mestwerdt). Zwei Augen werden am Dom an die Allgegenwart und den Gedanken der Gerechtigkeit erinnern (Pascale Feitner).
Der muslimische Friedensgruß wird über dem Eingang zum Dom zu lesen sein (Fridolin Mestwerdt). Zwei Augen werden am Dom an die Allgegenwart und den Gedanken der Gerechtigkeit erinnern (Pascale Feitner). Foto: Kunstakademie

Die fünf Ausstellungen zum Thema „Frieden“ im Archäologiemuseum, Landesmuseum, Picasso-Museum und Stadtmuseum mögen aufschlussreich sein. Richtig spannend wird es im Dom. Prof. Dr. Thomas Flammer vom Institut für die Geschichte des Bistums hat als Außenausstellung zu dessen kleinem feinem Ausstellungsbeitrag im Landesmuseum die Kunstakademie Münster für Skulptur-Projekte eingeladen. Deren Klasse für Kunst im öffentlichen Raum unter Leitung der Professoren Maik und Dirk Löbbert hat angenommen – Bedingung: künstlerische Freiheit.

Und die haben die 14 Studierenden erhalten, die in zwei Wochen im und am Dom ihre Projekte realisieren. Fridolin Mestwerdt ist einer von ihnen: „Bei den ersten Ortsbegehungen haben wir natürlich gefragt, was sind die Limits, was dürfen wir? Aber es hieß, wir sollten unsere Arbeiten ganz frei von Vorgaben entwickeln.“ Und der Kunststudent ergänzt: „Wir waren sehr überrascht und zufrieden, dass am Ende alle Ideen akzeptiert wurden, mit wenigen Ausnahmen, die sich technisch nicht realisieren ließen.“

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Holger Küper bringt eine Frühlingswiese mit Zelt auf zwei Kirchenfenster. Foto: Holger Küper

Dabei ist gerade Mestwerdts Projekt von aktueller Brisanz: Inspiriert durch Lessings Ringparabel aus „Nathan der Weise“ werden Friedensgrüße der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam in Form weiß leuchtender, gleich großer Leuchtschriften über den jeweils anderen Gotteshäusern stehen – also „As-salamu ’alaikum“ am St.-Paulus-Dom, „Friede sei mit euch“ an der Synagoge und „Shalom aleichem“ an einer Moschee.

Bei Christen und Juden ging die Zustimmung recht flott. Sharon Fehr machte als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde sogar den Vorschlag, zur besseren Sichtbarkeit den Schriftzug nicht am Eingang Klosterstraße, sondern an der Rückseite zur vielbefahrenen Promenade anzubringen.

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Tonio Nitsche wird eine Betbank durch eine Gesprächssituation mit zwei Sesseln ersetzen. Foto: Tonio Nitsche

Zum Thema

Die Ausstellung wird am 5. Juni um 18 Uhr im Kreuzgang des Domes eröffnet. Der Eintritt ist frei. www.friedensausstellung-  muenster.de/

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Bei den Muslimen gestaltete sich die Umsetzung schwieriger, da es mehr als eine Handvoll Moscheen gibt. Die Zentralmoschee „Ditip“ am Bahnhof antwortete zum Bedauern Mestwerdts auf verschiedene Anfragen nicht. Über private Beziehungen bekam er Kontakt zur „at-Tawba Moschee“ am Lütkenbecker Weg. Die Marokkanisch-Islamische Religionsgemeinschaft dort hat das Anliegen des Künstlers diskutiert, und „die Idee wurde als genial empfunden“, so Mestwerdt, der (wie alle beteiligten Künstler) nun gespannt ist, welche Reaktionen es zu den Skulptur-Projekten im Dom geben wird.

Die 14 Projekte

Jinuk Choi projiziert bei „Ein ruhiger Altar“ in liturgischen Farben ein Konzert von Gustav Mahlers „Auferstehungs“-Sinfonie in eine Kapelle – ohne Ton;

Pascale Feitner bringt an den Dom-Türmen zwei Riesenbanner mit Augen an: „Auge für Auge“ über Friede und Gerechtigkeit;

Marlena Gundlach stellt in „Nimm das Licht mit oder verschicke es“ an den Opferkerzentisch einen Postkartenständer mit Opferkerzen-Postkarten;

Amelie Hirsch setzt in ihrer Installation „Narben hinterlassen“ die vielen „Verletzungen“, die dem Gottesgebäude widerfahren sind, in Bezug zu Wunden, die Menschen erlitten haben;

Justyna Janetzek lässt ein Friedenstor als Himmelspforte („Porte du Ciel“) vor das Westportal einschweben;

Holger Küper lässt bei „Innerer Frieden“ in den Fenstern auf der Südseite mit Folienfetzen eine frühlingsgrüne Wiese und ein goldgelbes Zelt leuchten;

Ilsuk Lee lässt wie in Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ einen Monolithen im Domparadies auftauchen. Aus dem Inneren des Kubus leuchtet ein Kreuz: „Ein Denkmodell des Universums: Der Frieden“;

Peter Lepp lädt beim „Hortus Conclusus“ im Kachelzimmer zu einer Teestunde mit dem Hohelied von Salomo auf Arabisch und Hebräisch ein;

Fridolin Mestwerdt bringt in „Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden“ die Friedensgrüße der drei bekanntesten abrahamitischen Religionen am jeweils anderen Gotteshaus an;

Tonio Nitsche ersetzt eine Betbank durch zwei einander gegenüberstehende Sessel auf einem Teppich: „Zusammensetzen, auseinandersetzen“;

Moritz Riesenbeck lässt in „Die Suche nach den Dingen“ vom Inneren des Dachstuhls im Westwerk durch den Gewölbe-Abschlussstein einen Leuchtstab langsam in den Innenraum des Domes herab- und hinauffahren;

Elisabeth (Lis) Schröder lässt am Eröffnungsabend (5. Juni) den Satz „Wir alle machen Fehler“ wie ein Mantra singen – vom Domchor, und vielleicht fällt die Gemeinde mit ein . . .

Yoana Tuzharova: In ihrem knapp fünf Meter hohen und zwei Zentimeter flachen Lichtobjekt „Scheingarten“ steht eine Rückenfigur auf der Schwelle zwischen Schatten und Licht;

Yuren Wu lässt in „Porron“ Kirchenlieder in Grammophon-Qualität aus einem Schiff ertönen – draußen.

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Justyna Janetzek lässt am Westportal eine Himmlische Pforte einschweben. Foto: Justyna Janetzek

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