Kubaner zeigt im Pumpenhaus das Tanztheater „The Hidden Door“
Vom Spaß zu den verborgenen Ängsten

Münster -

„Hello World“ flötet er ins Mikrofon und kündigt seine Sendung an. Man muss sich das als eine Art Domian vorstellen: Die Leute sollen anrufen und von ihren Problemen erzählen. Er, der Radiomann, wird versuchen, ihnen zu helfen. „Don’t be shy, give it a try“, schiebt er noch aufmunternd nach. Aber die Menschen draußen scheint das gar nicht zu kümmern. Geschäftig wirbeln sie über die Bühne des Pumpenhauses, fassen sich an den Händen, springen sich an, gleiten aneinander herab, vereinigen sich zu einem wilden Reigen und spritzen wieder auseinander. Die Moderatoren im Funkraum: ratlos.

Donnerstag, 14.06.2018, 18:44 Uhr

Julio César Iglesias Ungo zeigt in „The Hidden Door“ wie aus medialer Sensationslust Horror-Wirklichkeit wird.
Julio César Iglesias Ungo zeigt in „The Hidden Door“ wie aus medialer Sensationslust Horror-Wirklichkeit wird. Foto: Katja Illner

In seinem Tanztheater „The Hidden Door“ erzählt der kubanische Tänzer und Choreograph Julio César Iglesias Ungo eine Geschichte, die lustig beginnt und wie ein Horrorfilm endet. Denn die Radiomoderatoren in ihrer Kabine am Rand der Tanzfläche gehören zu den kreativen ihrer Art und fingieren kurzerhand ein paar Anrufe. Um der Sendung mehr Gewicht zu verleihen, wählen sie dabei Themen wie Tod und Verlust. Dumm nur, dass sich die Sache irgendwann verselbstständigt und Ausmaße annimmt, mit denen niemand gerechnet hätte.

Es ist ein durchaus origineller Ansatz, den Iglesias hier verfolgt. Er und seine Compagnie setzen das in Tanz um, was sich die Moderatoren in ihrer Not ausdenken, und gehen dabei noch ein bisschen über deren Fantasie hinaus. So sieht man eine Frau im Todeskampf auf dem Boden liegen. Zuckend und sich aufbäumend verbiegt sie ihren Körper, als wäre sie vom Teufel besessen. Später wird sie wie ein panisches Tier über die Bühne huschen und alles um sie herum in Schrecken versetzen – einschließlich des Moderators, denn diesen hat es auf wundersame Weise aus seiner Kabine heraus und mitten in das unheimliche Geschehen hineingesaugt.

Es sind ausdrucksstarke, von verborgenen Ängsten gespeiste Bilder, die die Truppe hier auf die Bühne bringt. Der Tanz gestaltet sich komplex, kraftvoll und dynamisch, ohne dabei an Präzision zu verlieren. Anleihen bei Hip-Hop und Physical Theatre sorgen für Vielfalt und die dramatische Live-Musik für die nötigen Emotionen. Am Ende ist die Bühne ein Nebelmeer, in dem ein Paar einen schaurigen Pas de deux tanzt – die halbnackten Körper mit Erde bedeckt, als wären sie geradewegs dem Grab entstiegen.

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