Dominikanerkirche
Altar muss Richter-Pendel weichen

Münster -

Der Altar soll weg. Der Kulturausschuss hat am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, dass das barocke Schmuckstück abgebaut und dauerhaft eingelagert werden soll – bis zur weiteren Verwendung. Der Grund ist das „Foucaultsche Pendel“, das Gerhard Richter gestaltet hat und am Sonntag (17. Juni) um 11.30 Uhr öffentlich „eingeweiht“ wird – dann noch mit Altar.

Donnerstag, 14.06.2018, 18:44 Uhr

Der prachtvolle barocke Altar der Dominikanerkirche soll dem Richter-Kunstwerk weichen und wird eingelagert.
Der prachtvolle barocke Altar der Dominikanerkirche soll dem Richter-Kunstwerk weichen und wird eingelagert. Foto: Matthias Ahlke

Die Stadt hat den Hochaltar im Jahr 1903 erworben. Er war 1699 für die Paderborner Gaukirche erstellt worden. Der Künstler des farbig gefassten Schnitzwerks ist der Paderborner Künstler Heinrich Gröne. Der Altar gilt als der letzte erhaltende Altar des westfälischen Barock dieser Qualität und Größenordnung im Münsterland, heißt es von Seiten der Stadt. Die reich gegliederte, farbig gefasste Architekturkulisse des Altars rahmt zwei Gemälde mit der Darstellung Dreifaltigkeit und Aufnahme Mariens in den Himmel. Auf dem Hauptgesims stehen lebensgroße Statuen der Apostel Petrus und Paulus.

Nun müssen die Heiligen dem Richter weichen. Der Kulturausschuss-Vorsitzende Dr. Dietmar Erber (CDU): „Der Altar passte von Anfang an nicht zum Gesamtkonzept.“ Ursprünglich war geplant, den Altar im Zuge der (auch ohne das Richter-Kunstwerk) notwendigen Sanierungen der (seit 1881 städtischen) Kirche zu restaurieren. Dafür waren 250 000 Euro eingeplant. Die fallen jetzt weg. Wie viel die dauerhafte Einlagerung kosten wird, muss noch ermittelt werden. Die Verwaltung hatte im Vorfeld versucht, den Altar nach Paderborn zu vermitteln. Doch die Gaukirche dort ist just diesen Mai fertig renoviert worden.

2012 hatte Nora Möller zusammen mit der städtischen Denkmalpflege das Altarretabel untersucht, einen „verheerenden Zustand“ diagnostiziert und ein Restaurierungskonzept erarbeitet.

Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

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  • Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren, nach seiner Flucht in den Westen 1961 absolvierte er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Richter später dann eine Professur bekam. Auf dem Foto steht der Künstler im Jahr 2013 vor seinem Gemälde Strip (930-2) in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Als Richters größtes Verdienst gilt es, der Malerei in den 60er Jahren wieder neue Relevanz gegeben zu haben. Auf dem Foto ist sein Bild "Abstrakt" zu sehen.

    Foto: Oliver Berg
  • Zu Beginn von Richters Laufbahn in den 60er Jahren sprachen viele Kunst-Experten vom Ende der Malerei, denn wenn es um realistische Abbildungen ging, war die Fotografie überlegen. In Gerhard Richter sehen viele Kunsthistoriker denjenigen, der am stärksten dazu beigetragen hat, der Malerei eine neue Bedeutung gegeben zu haben.

    Foto: Federico Gambarini
  • Gerhard Richter ist ein Maler ohne Worte: Man hat ihn die Sphinx oder den großen Schweiger genannt, weil er seine Werke nicht erklärt. Diese Rätselhaftigkeit hat wohl zu seinem Ruf beigetragen. Zur Abbildung: 2016 wurde sein Werk "Tiger" im Museum Morsbroich in Leverkusen gezeigt.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Als „Europas größten Maler“ bezeichnete ihn die „New York Times“, der „Guardian“ rühmte ihn als „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Das Foto zeigt den Künstler im Jahr 2010 vor einer seiner Arbeiten im Dresdner Albertinum.

    Foto: Dietrich Flechtner
  • Richters Atelier befindet sich in einem bunkerähnlichen Riegelbau im Villenviertel Köln-Hahnwald. Er schirmt das dahinterliegende Wohnhaus ab. Der Künstler lebt dort mit seiner dritten Frau Sabine Moritz und dem jüngsten Sohn Theodor. Die Aufnahme zeigt ihn im Jahr 2016 in Köln in seinem Atelier vor einem seiner Bilder.

    Foto: Oliver Berg
  • Für Richters meistbewundertes Werk muss man keinen Eintritt zahlen. Es ist das 19 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms. Richter hat Sympathien für die Kirche, aber er glaubt nicht an Gott.

    Foto: dpa
  • Gerhard Richter wird in internationalen Rankings seit vielen Jahren als einer der weltweit einflussreichsten Künstler eingestuft. Auch im Ranking „Kunstkompass 2017“ wird er seit vielen Jahren als wichtigster Künstler geführt.

    Foto: Arno Burgi
  • Kunstwerke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Welt. Es sei beängstigend, dass seine Kunst und sogar von ihm signierte Postkarten auf dem Markt Höchstsummen erzielten: „Eine erschreckende Entwicklung“, sagte Richter in einem Interview mit der „Die Zeit“. Hier steht Richter im Jahr 2009 in Duisburg vor seinem Werk "18 Farben".

    Foto: dpa
  • Die horrenden Preise für seine Bilder seien ein Beleg dafür, „wie irrsinnig sich der Kunstmarkt entwickelt hat“, sagte Gerhard Richter. Sie hätten mit dem Werk nichts zu tun. „Das ist doch reiner Personenkult“, meint der Künstler.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Beispiel: Das Werk „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter hat 2012 in London bei einer Auktion einen Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro erzielt. Damit habe Richter Maßstäbe für lebende europäische Künstler gesetzt, teilte das Auktionshaus Sotheby‘s nach der Versteigerung mit.

    Foto: dpa
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