Ausstellung beim Förderverein Aktuelle Kunst
Moralisches Seufzen aus dem Lautsprecher

Münster -

Fünf Fenster gibt es im großen Ausstellungsraum des Fördervereins für aktuelle Kunst, genannt FAK. Jedem dieser Fenster haben Sophie Isabel Urban und Simon Wienk-Borgert ein neues Fensterbrett mit jeweils einem Wort verpasst. Schreitet der Besucher die Fensterfront ab, kann er „Mein Platz an der Sonne“ lesen. Das hat durchaus symbolischen Charakter.

Dienstag, 17.07.2018, 18:10 Uhr

Sophie Isabel Urban macht es vor: Sie betrachtet das gemeinsam mit Simon Wienk-Borgert gefertigte Triptychon mit dem Fernglas.
Sophie Isabel Urban macht es vor: Sie betrachtet das gemeinsam mit Simon Wienk-Borgert gefertigte Triptychon mit dem Fernglas. Foto: jas

Fünf Fenster gibt es im großen Ausstellungsraum des Fördervereins für aktuelle Kunst, genannt FAK. Jedem dieser Fenster haben Sophie Isabel Urban und Simon Wienk-Borgert ein neues Fensterbrett mit jeweils einem Wort verpasst. Schreitet der Besucher die Fensterfront ab, kann er „Mein Platz an der Sonne“ lesen. Das hat durchaus symbolischen Charakter. Denn das Gebäude in der Fresno­straße war zu Kaiser Wilhelms Zeiten Teil einer Kaserne, und mit dem Satz hatte einst Reichskanzler Bernhard von Bülow Deutschlands Forderung nach Kolonien untermauert.

„Ort und Gebrauch“ ist die dritte Ausstellung in der FAK-Reihe „Selbstbefragung“. Sie thematisiert nicht nur die Kolonialzeit, sondern auch das gegenwärtige Bewusstsein. Dafür steht eine überdimensionale, aus Styropor und Lack gefertigte Avocado. Als exotisches Produkt aus Übersee symbolisiere es einen Lifestyle, von dem zwar jeder wisse, dass er aufgrund der globalen Verstrickungen nicht korrekt ist, ihn aber trotzdem kultiviere, so Wienk-Borgert. Ein beständiges Seufzen, das aus einem Lautsprecher dringt und den Raum erfüllt, sei Ausdruck dieses moralischen Dilemmas.

Die beiden Studenten der Kunstakademie Düsseldorf wollen mit ihrer Installation keinen Zeigefinger heben. Ihre künstlerische Herangehensweise bezeichnen sie als Mischung aus Humor und Selbstkritik. In diese Richtung zielen auch die Obstkisten, die sie in Bronze abgegossen und dann unbearbeitet im Raum platziert haben. Durch die unfertige Ausführung wurden sie gewissermaßen aus dem Wertschöpfungsprozess gezogen. Wienk-Borgert spricht von einem „selbstkritischen Abbild unseres prozesshaften Schaffens“. Der dritte Teil der Installation ist ein Triptychon, das an klassische Malerei erinnert, hier aber aus einer großformatigen Foto-Collage besteht. Zu sehen sind unter anderem eine Erdkugel mit Messgeräten, eine Maria auf einem Balkon und ein Haus, das durch einen winzigen Schriftzug an der Tür die Besitzverhältnisse deutlich macht. Natur, Gesellschaft und Konsum sind die Grundthemen des Triptychons. Mit einem bereitgestellten Fernglas kann sich der Besucher in das Stillleben hineinzoomen und so tiefer eintauchen.

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Die Ausstellung im Haus an der Fresnostraße 8 läuft bis zum 12. August, geöffnet Fr-So 16-19 Uhr

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