Thomas Nufer will auf dem Domplatz zum „West-Östlichen Diwan“ einladen
500 Teppiche für Toleranz gesucht

Münster -

Angesichts der von Hysterie geprägten Debatte zwischen Ost und West wird es am 15. und 16. September auf dem Domplatz heißen: „Leute, kommt mal wieder auf den Teppich.“ Und Thomas Nufer greift auf ein bewährtes Lockmittel zurück: „Neugier überwindet Angst.“ Dafür lädt der Künstler in einen riesigen Begegnungsraum der Kulturen ein: den „West-Östlichen Diwan“.

Mittwoch, 18.07.2018, 10:07 Uhr

Thomas Nufer will Osten und Westen auf den Teppich holen. Der Domplatz soll zum bequemen Markt der Begegnungen werden.
Thomas Nufer will Osten und Westen auf den Teppich holen. Der Domplatz soll zum bequemen Markt der Begegnungen werden. Foto: Nufer

Der Titel ist nicht von ungefähr gewählt. Die umfangreichste Gedichtsammlung hat der deutscheste aller Dichter Goethe vor fast genau 200 Jahren veröffentlicht (1819). Inspiriert war der teutonische Dichterfürst vom persischen Dichter Hafis, in dem er einen Geistesverwandten sah, einen „Zwilling“ gar. Und lieferte für Nufers Idee gleichsam das Leitgedicht: „Wer sich selbst und andere kennt, / Wird auch hier erkennen: / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.“ Das will Nufer zeigen.

Hafis neben Goethe; Goethe neben Hafis – und dies nicht nur sinnbildlich. Als Großskulpturen werden sie Mitte September den optischen Mittelpunkt des Domplatzes bilden. Zu ihren Füssen soll sich auf 500 Teppichen das Leben ausbreiten: Sprachen, Musik- und Tanzstile sollen miteinander in Wettstreit treten. Westfälische Musiker singen und rezitieren Hafis, arabische Autoren lesen aus ihren Werken. Münsters Geschichte und Schönheit werden von einem marokkanischen Imam vorgestellt, eine Henna-Malerin aus Kabul bringt westfälische Motive wie Fahrräder und die Käfige von St. Lamberti auf die Haut. Kulinarisch vereinen sich syrisches Manakish mit Töttchen, Baklava mit Käsekuchen. Bei einer kostenlosen Eis-Verkostung wird dem Einfluss des Maghreb auf die Eisherstellung nachgegangen. Mutige Westfalen erlernen die Herstellung von Falafeln. Unter ihren Händen entstehen „Westfalafeln“, eine kulinarische Weltsensation. Und, und, und.

Für die Grundlage im wörtlichen Sinne benötigt Thomas Nufer orientalische Teppiche massenweise: – Nufer: „am liebsten Perser“. 500 Stück werden notwendig sein, um den Domplatz weitgehend auszulegen und damit in einen gigantischen Markt des Orients, der Begegnung zu verwandeln. Nufer hofft, dass „Kultur vielleicht die entspanntere Form als Religion ist, um sich mit und in Freude zu begegnen“. Für die Teppiche hofft der münsterische Künstler auf die Mitwirkung der Münsteraner. Ab dem 13. August werden die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) bei sich einen eigenen Container für die gespendeten Teppiche aufstellen. Die Teppiche sollten eine Mindestgröße von 1,50 mal 2 Metern haben.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5914341?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Stadtfest und Schloss Classix: 1000 Meter trennen die Konzertbühnen
Publikumsmagnet am Wochenende: die Domplatz-Bühne
Nachrichten-Ticker