Neues Vokalensemble: „Seicento vocale“
Gerechtigkeit in biblischen Texten

Münster -

Am Anfang stand eine Idee: Musik zu machen, die irgendwie durch das Raster des landläufig gesicherten Repertoires fällt. Dazu gehört sicher die umfangreiche Motettensammlung „Israelsbrünnlein“ des frühbarocken Komponisten Johann Hermann Schein – ein zauberhaftes Juwel, für das sich vier Absolventen der Musikhochschule Detmold vor rund drei Jahren lebhaft interessierten. Eine Idee, die schnell auf Neugier bei Studienkollegen stieß. Und schon war das Projekt „Israelsbrünnlein“ geboren, konkret geplant, intensiv geprobt und dann umgesetzt.

Dienstag, 17.07.2018, 18:10 Uhr

Vokalensemble „Seicento vocale“
Vokalensemble „Seicento vocale“ Foto: Seicento

Dies ist die Geburtsstunde des Vokalensembles „Seicento vocale“ – initiiert von Jan Croonenbroeck, Julia Spies, Christoph Stutzinger und Alexander Toepper. Das „Israelsbrünnlein“ erwies sich als künstlerisch ertragreiches Unterfangen, zumal in der Kombination mit synagogaler Musik von Salamone Rossi, jenem Meister, der als erster jüdischer Komponist sein Werk hatte drucken lassen. „Unser Ziel war es aber von Anfang an, über dieses erste Projekt hinaus weiter zusammen zu musizieren“, erläutert Toepper (Kantor an St. Lamberti), weil die Chemie unter den Sängerinnen und Sängern stimmte.

Das nachfolgende Projekt widmete sich dem noch weitgehend unterschätzten Giacomo Carissimi, der im 17. Jahrhundert in Italien für wichtige Neuerungen in der Musik sorgte. „In diesem Programm unter dem Motto ‚Fiat iustitia‘ geht es um die Frage nach ‚Gerechtigkeit‘“, so Alexander Toepper. Carissimi spürt ihr mit Vertonungen biblischer Texte nach.

„Seicento vocale“ erfüllt seit seiner Gründung den Anspruch an hohe professionelle Qualität, die ihm vom Publikum wie von der Kritik auch regelmäßig attestiert wird. Auftrittsmöglichkeiten ergeben sich durch die guten Kontakte der Ensemblemitglieder zu potenziellen Gastgebern, aber auch durch die Unterstützung des münsterschen „Vereins zur Pflege der Musizierpraxis des 15. bis 17. Jahrhunderts“, der ideelle und organisatorische Unterstützung liefert. Von seinem Engagement leben kann indes (noch) keiner der Vokalisten. Immerhin: Am Ende der Konzerte von „Seicento vocale“ steht im Hinblick auf die Finanzen bislang meistens eine „schwarze Null“. Noch viel wichtiger als das Pekuniäre ist dem Ensemble die Auseinandersetzung mit ungewöhnlichem Repertoire und die Suche nach künstlerischen Wegen jenseits ausgetretener Pfade. Da hat „Seicento vocale“ in den letzten drei Jahren Bemerkenswertes präsentiert. So kann es weitergehen.

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Das Carissimi-Projekt „Fiat iustitia“ ist am Sonntag (22. Juli) um 16 Uhr in der Aegidii-Kirche, Aegidiikirchplatz, zu erleben. Unter anderem erklingt das Oratorium „Jephte“ und die zwölfstimmige Messe „L‘homme armé“. Eintritt frei.

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