So., 01.12.2013

Famose Premiere der Niederdeutschen Bühne in Münster Wildes Getümmel im Kartenhaus

Da ist allerhand faul im Hause des Sozialschmarotzers Schwarz: Erich und Linda Schwarz (Uschi Niehues, Stefan Waltering), Frau Kuhlmann vom Sozialamt (Elisabeth Georges, Mitte) und Norbert Dobermann (Ulrich Tarner, rechts) zeigen sich irritiert.

Da ist allerhand faul im Hause des Sozialschmarotzers Schwarz: Erich und Linda Schwarz (Uschi Niehues, Stefan Waltering), Frau Kuhlmann vom Sozialamt (Elisabeth Georges, Mitte) und Norbert Dobermann (Ulrich Tarner, rechts) zeigen sich irritiert. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Eine solche Tapete haben die Zuschauer im Kleinen Haus des Theaters Münster wohl noch nicht gesehen. Meterhoch ragen Spielkarten in die Höhe, davor steht ein Sofa. Kerstin Bayer (Bühnenbild) hat die Szenerie des Stückes „Moos frie Huus“ so ausgestattet, dass zwei Interpretationen denkbar sind: Hier steht ein Kartenhaus, das einstürzen wird. Wem freilich die Idee kommt, dass der Hausherr im übertragenen Sinne mit dem Sozialamt pokern will, liegt auch nicht falsch.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Das Stück des Briten Michael Cooney, von Hannes Demming treffsicher ins westfälische Platt übertragen, ist eine Farce allererster Güte. Die groteske Komödie mit Verwechslungsspielchen, Verkleidungen, Türenschlagen und Brüllern am laufenden Band nimmt ihren Lauf und massiert ausgiebig das Zwerchfell.

Während die Niederdeutsche Bühne in der Regel deftig den Konflikt zwischen Stadt und Land sowie Bürgern und Bauern thematisiert, hat Regisseur Hermann Fischer mit dem Stoff des britischen Autors einen Glücksgriff getan und setzt ihn temporeich um. Die Story ist klar, das Personenwirrwarr diffus, der Spaß enorm. Aus der Schar der Akteure ragt Stefan Waltering sprachgewandt als Sozialschmarotzer Erich Schwarz hervor, der die Vertreter des Sozialamts an der Nase herumführt. Sein kongenialer Gegenspieler ist Regisseur Hermann Fischer, der als korrekter Mann vom Amt dem Bezieher diverser Beihilfen auf den Zahn fühlt.

Also sieht sich Schwarz, der seit zwei Jahren das Sozialamt um alle möglichen Segnungen des Sozialstaats betrügt, gezwungen, Freund Norbert (Ulrich Tarner), Onkel Georg (Hannes Demming) und auch noch die eigene Ehefrau Linda (Uschi Niehues) in das freche Rollenspiel bedürftiger Empfänger gegenüber den Kontrolleuren einzubinden – es gesellt sich noch die resolute Frau Kuhlmann (Elisabeth Georges) dazu. Das passiert so schnell, dass für die Zuschauer kaum Zeit zum Atemholen bleibt. Zum Running Gag wird dabei Öhm Georg (Hannes Demming), der in Unterhose mal Norberts just verblichenen Vater spielen, dann wieder als Hausbesitzer herhalten muss. Ein köstlicher Nebenkriegsschauplatz ergibt sich aus dem Ehekonflikt von Erich und Linda Schwarz, denn die Gattin will mit ihrem „Paar-Moderator“ Dr. Kaufmann (Bernd E. Bäumer trägt einen hiübschen Zopf) herausgefunden haben, dass ihr Mann als Transsexueller Verkleidungsspielchen mag. Dabei hat sie nur ein paar Kleidungsstücke im Schrank gefunden, die Teil eines schwunghaften Handels mit medizinischen Produkten sind, die der Mann sich ebenfalls ergaunert hat. Der Gipfel des Irrsinns ist erreicht, als der „tote“ Herr Dobermann dem Beerdigungsunternehmer (Bernd Artmann) entwischt und mit der Bahre auf dem Rücken wilde Runden durch das Haus dreht. Eine solch irre Rolle hat der Rottendorf-Preisträger Hannes Demming noch nie gespielt.

Wie das Tohuwabohu ausgeht, sei nicht verraten. Dass zu Beginn und am Ende „Whatever You Want“ von Status Quo erklingt, passt prima und forcierte bei der Premiere den Applaus zu forschem Stakkato.

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Nächste Vorstellungen: 15. und 29. Dezember, jeweils 15 und 19 Uhr, weitere Termine bis März. 

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