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Fr., 02.12.2016

Fahrschule Wenn die Theorieprüfung auf Arabisch ist

So geht‘s: Fahrlehrer Ahmet Yüce bringt seinen Schülern das Autofahren bei. Die Theorieprüfung kann jetzt auch auf Arabisch gemacht werden.

So geht‘s: Fahrlehrer Ahmet Yüce bringt seinen Schülern das Autofahren bei. Die Theorieprüfung kann jetzt auch auf Arabisch gemacht werden. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Der Führerschein erleichtert die Integration. Ausländische Mitbürger haben jedoch oft mit der deutschen Sprache zu kämpfen und verstehen die Prüfungsfragen nicht. Der münsterische Fahrlehrer Ahmet Yüce hat jetzt eine Lösung.

Von Anna Spliethoff

Ein Schild hängt an der Eingangstür einer Fahrschule an der Bahnhofstraße. Den Text kann nur verstehen, wer arabische Schriftzeichen lesen kann. Die Führerscheinprüfung wird auch auf Arabisch angeboten, heißt es da.

Inhaber der Fahrschule ist Ahmet Yüce. Seinen ethnischen Hintergrund hat er selbst in der Türkei. Er weiß deshalb, wie es den arabischen Fahrschülern geht: „Ich kann ihre anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten nachfühlen.“ Deswegen findet er es umso wichtiger, den ausländischen Mitbürgern entgegenzukommen. Die Führerscheinprüfung jetzt auch auf Arabisch anbieten zu können, gefällt ihm sehr gut. Das mit der neuen Fremdsprache war allerdings nicht seine Idee.

In der Fahrerlaubnisverordnung wurde zum 1. Oktober auch Hocharabisch als Prüfungssprache aufgenommen. In insgesamt 13 Sprachen kann man die theoretische Führerscheinprüfung mittlerweile ablegen. „Deutschland ist das einzige Land in Europa und vielleicht auch auf der Welt, das den Führerschein in so vielen Sprachen anbietet“, erklärt Friedel Thiele. Er ist Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Westfalen. Er erklärt auch, wieso der Gesetzgeber sich dazu entschieden hat, Hocharabisch in die Liste aufzunehmen: „Es wurde die Erfordernis gesehen, den Menschen die Möglichkeit zu geben, den Führerschein zu machen.“ Jedoch kann nur die theoretische Prüfung auf Arabisch abgelegt werden.

Die Stunden hinter dem Steuer und auch der Unterricht in der Fahrschule finden weiterhin auf Deutsch statt.

So ist es auch bei Ahmet Yüce. Alle Fahrschüler, egal welcher sprachlichen Herkunft, haben den gleichen Theorieunterricht. Manchmal helfe er bei Kleinigkeiten aber mit arabischen Übersetzungen aus. „Allerdings halte ich es für kontraproduktiv und nicht integrationsfördernd, den gesamten Unterricht auf Arabisch zu gestalten“, erklärt er. Dem pflichtet auch Friedel Thiele bei: „Sprache ist zur Integration sehr wichtig.“

Doch Ahmet Yüce bemerkt auch, dass viele „von sich aus den Wunsch hegen, Deutsch zu sprechen“. Der Bedarf nach rein arabischsprachigem Unterricht bestehe gar nicht. Die Theorieprüfung dennoch auf Arabisch anzubieten, mache die „Situation für alle leichter und angenehmer“, so Yüce. Für ihn handelt es sich bei der Prüfung auf Arabisch vor allem „um ein kleines Entgegenkommen und ein Gefühl des Willkommenseins“.

Die Fahrschüler seien sich der Sachlage außerdem bewusst: „Ohne Führerschein keine Arbeit und ohne Arbeit keine Zukunft.“ Der Führerschein sei eine „deutliche Erleichterung für eine zügige Integration“, meint Yüce. Deshalb lautet sein Motto: „Ein Führerschein ist heute der ‚zweite Ausweis‘ und bedeutet Freiheit.“

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