Do., 14.09.2017

Sexualität im Alter „Alles andere als spaßlos und unerfüllt“

Mehr als 100 Interessierte lauschten dem Vortrag über die „Liebe im Alter“, der sich Klinikleiter Dr. Michael Enzl (Alexianer Münster) unter der Moderation von WN-Redakteur Stefan Werding (l.) mit viel Information und dem nötigen Humor widmete.

Mehr als 100 Interessierte lauschten dem Vortrag über die „Liebe im Alter“, der sich Klinikleiter Dr. Michael Enzl (Alexianer Münster) unter der Moderation von WN-Redakteur Stefan Werding (l.) mit viel Information und dem nötigen Humor widmete. Foto: Al. Große Wöstmann

Münster - 

Das Interesse an „Lust am Leben und Lieben der Generation 60 +“ lockte mehr als 100 Zuhörer zum Alex-Talk. Klinikleiter Dr. Michael Enzl widmete sich der Thematik auch mit Humor.

„Unanständig, unattraktiv und eh` ab 60 aufwärts kein Thema mehr…“ – keine Frage, die gesellschaftlichen Vorurteile über Sexualität im Alter sind noch immer existent und die Tabuisierung noch vielfach spürbar. „Doch Fakt ist, dass die schönste Nebensache der Welt niemals aufhört und das Verlangen bis ins hohe Alter da ist“, betonte Dr. Michael Enzl beim jüngsten Alex-Talk.

Für den Ärztlichen Leiter der Alexianer-Damian-Klinik für Gerontopsychiatrie und auch seine mehr als 100 Zuhörer also Grund genug, sich der „Lust am Leben und Lieben der Generation 60 +“ sehr umfassend zu widmen.

Und mit seiner anfänglichen humorigen Ankündigung: „Achtung, wir sprechen heute nicht nur über die Liebe, sondern auch über Sex!“, ließ der versierte Referent in der Tat keinen Randbereich unerwähnt und durchleuchte das Thema sehr fachmännisch und ebenso erheiternd.

Rund einmal im Monat hätten die 60- bis 70-Jährigen nach dem so genannten statistischen „Normwert“ Geschlechtsverkehr, und auch bei den noch Älteren gehöre die Sexualität – je nach Gesundheit und Partnerschaft – oft auch bis ins höhere Alter ganz normal zu den alltäglichen Bedürfnissen. „Bei immerhin noch mehr als der Hälfte der 75-Jährigen ist das Verlangen nach Sexualität vorhanden.“ Gleichwohl veränderten sich das Liebesleben und auch die konkreten Wünsche nach Sexualität im Lauf des Lebens, was aber nicht zwingend mit Lusteinbuße einhergehe.

„Doch wenn man konkrete Lustbremsen benennen sollte, so stünden hier bei den Männern einschränkende Statusmerkmale wie Arbeitslosigkeit oder niedrigeres Einkommen an erster Stelle, während bei den Frauen eher emotionale Probleme, die Angst vor Ablehnung oder auch eine geringe Partnerschaftszufriedenheit den Lustfaktor trüben könnten. Auch körperliche Veränderungen und mögliche funktionellen Störungen ließ der Referent nicht unerwähnt, ermunterte aber zugleich: „Akzeptieren Sie die physischen Veränderungen, denn die sexuelle Attraktivität und Erlebnisfähigkeit beeinträchtigen sie keineswegs. Vielmehr begehren wir das, was uns vertraut ist!“

Ebenso gab er einen Überblick über gängige Hilfsmittel, betonte aber auch: „Es ist und bleibt eben auch eine Kopfsache, denn Viagra und andere Erektionshilfen können niemals die Lust an sich steigern.“ Und auch ein anderes Thema gehörte für den Klinikleiter unbedingt mit erwähnt: Die Sexualität im Heim. „Hier tut sich glücklicherweise in den Köpfen von Heimleitungen und Pflegepersonal und auch bei den Rahmenbedingungen immer mehr, denn es ist für die Lebensqualität der Bewohner ein genauso wichtiger Faktor wie in den eigenen vier Wänden.“

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