Limberg verkauft Familienbetrieb
Osnabrücker übernehmen Stadtbäckerei Münster

Münster -

Die Stadtbäckerei Münster wechselt den Besitzer. Familie Limberg hat sich nach über 250 Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen. Ein Paar aus Osnabrück hat den alteingesessenen Betrieb mit seinen 22 Filialen übernommen.

Freitag, 15.06.2018, 07:00 Uhr

Hinter der Filiale am Schleebrüggenkamp befindet sich die Produktionsstätte der Stadtbäckerei.
Hinter der Filiale am Schleebrüggenkamp befindet sich die Produktionsstätte der Stadtbäckerei. Foto: Matthias Ahlke

Dirk Limberg und sein Vater Josef Limberg haben sich aus der Stadtbäckerei zurückgezogen. Dirk Limberg führt persönliche Gründe an für diesen Schritt, Josef Limberg zog sich aus Altersgründen zurück. Schweren Herzens, sagt der Senior, sei der Bäckereibetrieb verkauft worden. Cornelia Böckmann und ihr Lebenspartner Michael Meyer haben den Betrieb mit 22 Filialen und rund 250 Beschäftigten übernommen.

Den alteingesessenen Namen „Stadtbäckerei Limberg“ wollen sie beibehalten, sagt die neue Geschäftsführerin Cornelia Böckmann. Dies sei auch für ihn eine Grundvoraussetzung für den Verkauf gewesen, betont Josef Limberg.

2016 Geschäftsführung abgegeben

Bereits im Jahr 2016 seien sie mit 60 Prozent in den Familienbetrieb eingestiegen, so Böckmann, die in dieser Zeit auch die Geschäftsführung übernommen hat. Anfang des Jahres 2018 haben die Osnabrücker, wie erst jetzt bekannt wurde, den Betrieb komplett übernommen. Böckmann und Meyer sind nach eigenen Angaben branchenfremd. Während sich Cornelia Böckmann, die eigentlich aus dem Marketingbereich kommt, täglich vor Ort in Münster um den Betrieb kümmert, stünde ihr Lebenspartner beratend zur Seite. Beide gründeten vor der Betriebsübernahme in Münster die Küchenflört GmbH, beide sind Gesellschafter.

Pläne für neue Selbstständigkeit

Fakt sei, so Dirk Limberg, dass sein Vater und er schon längere Zeit nicht mehr im Betrieb seien. Der 48-jährige Bäckermeister, der das Unternehmen in neunter Generation geführt hat, feilt derzeit an einer neuen Selbstständigkeit, die sich nach eigenen Angaben rund ums Backen drehen soll, so der Plan.

Josef Limberg war es bei der Suche nach einer Nachfolgeregelung ein Anliegen, den traditionellen Betriebsnamen zu erhalten. Hätte er an Großbetriebe verkauft, wäre der Name verloren gegangen. Die Stadtbäckerei Limberg unter neuer Leitung wird auch künftig am Standort Schleebrüggenkamp im Norden der Stadt backen und produzieren. Diese Räume haben die neuen Betreiber von Familie Limberg angemietet.

Filialen werden modernisiert

Kurzfristig würden Veränderungen anstehen, betont Cornelia Böckmann. Dabei soll es nicht um eine Expansion gehen, vielmehr gelte es, einige Filialen zu modernisieren. Böckmann spricht von einem Investitionsstau an der ein oder anderen Stelle. Das gewohnte Stadtbäckerei-Sortiment sei im Kern geblieben, auch der mobile Marktstand bleibt an seinem Platz auf dem Wochenmarkt, heißt es.

Insgesamt sei die Führung eines solch großen Bäckereibetriebs eine Herausforderung in einem anspruchsvollen Markt, erklärt die neue Geschäftsführerin.

Familienbetrieb seit 1746

Die Geschichte der Stadtbäckerei Limberg begann 1746, als mit Johann Wilhelm der erste Bäckermeister Limberg in Warendorf „aktenkundig“ wurde. 1778 verlegte sein Sohn Joan Wilm die Bäckerei nach Münster. Unter Joan Wilm Ferdinand, dem dritten Limbergschen Bäckermeister, wurde 1810 ein eigener Betrieb am Alten Fischmarkt eröffnet. Sohn Franz Wilhelm wechselte in die Gastronomie, übernahm das „Sanctus Mauritius“ vom Schwiegervater und machte „Im Goldenen Hirsch“ daraus, in dem er Brot und Altbier aus eigener Herstellung verkaufte.Unter Sohn Melchior wurde sie ab 1870 zu einer Institution: „Gastvater Melcherts“ Altbierküche war legendär. 1901 übernahm Josef Limberg den Betrieb und konzentrierte sich ab 1908 wieder auf das Bäckerhandwerk. Josef Limberg entwickelte als erster Bäckermeister ein Spezialverfahren zur Konservierung von Pumpernickel in Dosen. Sein Dosen-Pumpernickel wurde bis in die USA exportiert. Mitte der 1930er Jahre übernahm Sohn Heinrich den Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg fiel die Bäckerei den Bomben zum Opfer. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft eröffnete Heinrich 1952 die Bäckerei Limberg an der Studtstraße neu. Mit Josef Limberg übernahm 1961 die achte Bäckergeneration das Familienunternehmen. Er und seine Frau Ilse bauten die Produktion aus und vollzogen den Namenswechsel in „Stadtbäckerei“. Von 1998 bis 2016 führte Sohn Dirk Limberg den Betrieb und setzte auf Regionalität.

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