Kabarettist Stani gestorben
Meister der poetischen Pause

Münster -

Er war der Inbegriff des humorvollen Westfalen. Ein Erzähler von skurriler Sachlichkeit. Ein Meister der Sprechpause. Und dabei unendlich bedächtig, aber nicht etwa langsam: „Der Westfale denkt, bevor er spricht.“ Am Freitag ist Michael Siegfried Heinrich Greifenberg im Alter von 65 Jahren gestorben. Er nannte sich Stani.

Mittwoch, 18.07.2018, 10:00 Uhr

Michael Siegfried Heinrich Greifenberg stand in seinem Ausweis. Er selbst nannte sich „Stani“. Seine bekannteste Figur war der „Schütze Greitemeier“.
Michael Siegfried Heinrich Greifenberg stand in seinem Ausweis. Er selbst nannte sich „Stani“. Seine bekannteste Figur war der „Schütze Greitemeier“. Foto: pd

Der gebürtige Münsteraner und bekennende Paderborner war ein Homo Westphaliensis in all seiner erdig bodenständigen Vielfalt. Sein Schütze Greitemeier erklärte die Welt beim Schützenfrühstück, sein Bauer Heinrich hatte außerirdischen Kontakt am Acker, sein Festredner Dr. Anton Königsberg vertrat wortgewaltig die „tautologale Sprachlibidismierung“. Stani stand rund 40 Jahre mit insgesamt 20 Soloprogrammen auf der Bühne. Sein letztes Programm hatte erst im Juni Premiere und trug den Titel: „Ich bin dann mal tot“.

Stani prägte von 1998 bis 2012 Münsters alternative Karnevalssitzung „Kappe App“. Nicht nur auf der Bühne als Schütze, Bauer oder im Parkbank-Duo mit Michael Tumbrinck, Greifenberg war zudem lange für die aufwendigen Bühnenbilder in der damaligen „Kulturschiene“ im Hauptbahnhof verantwortlich.

Greifenberg wurde am 5. Juni 1953 in Münster geboren. Ihn verschlug es an die neu gegründete Universität Paderborn, wo er ein paar Semester Wirtschaftswissenschaften studierte. Das war ihm zu trocken. Und wenn schon dröge, dann mit Humor. Vom Studenten über Szene-Kneipier zum Kabarettisten und Schauspieler führte ihn der Weg von der Studiobühne der Universität auf die Bretter der Kleinkunst-Welt.

Stani erhielt 1999 den ersten Preis im Wettbewerb „Tegtmeiers Erben“ und 2007 mit seinem Partner Tumbrinck den Ensemblepreis „Reinheimer Satirelöwe“ für das Programm „Arbeit hat frei“. 2010 ehrte ihn Paderborn als Anerkennung seiner Verdienste um die Kulturszene mit der Kulturnadel.

Bereits vor vier Jahren war der Vater zweier erwachsener Töchter dem Tod von der Schippe gesprungen. Nach einer lebensbedrohlichen „Aortendissektion“ konnte er gerettet werden. Das war die Triebfeder für sein letztes Programm, in dem Stani im Engelskostüm „Gute Nachrichten aus dem Jenseits“ in seinem „Esszimmertheater“ unter die Leute brachte. Dabei thematisierte er sein eigenes Menschsein („Der Tod gehört zum Leben“), blieb als Person in den Rollen sicht- und spürbar ohne große Eitelkeiten.

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