Lagebericht zum Fischsterben im Aasee
„Es ist nicht mehr viel Leben drin“

Münster -

„Das Herzstück unseres städtischen Ökosytems hat einen Infarkt erlitten, ein schwerer Schlag für Münster!“ Zwei Tage nach dem größten Fischsterben in der Geschichte des Aasees zieht Umwelt-Dezernent Matthias Peck am Samstagmittag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Mühlenhof ein erstes und sehr ernüchterndes Fazit: „Es ist nicht mehr viel Leben drin!“

Sonntag, 12.08.2018, 18:56 Uhr

Die Feuerwehr drückt mit Hochleistungspumpen Sauerstoff in den neuen Teil des Aasees.
Die Feuerwehr drückt mit Hochleistungspumpen Sauerstoff in den neuen Teil des Aasees. Foto: Helmut Etzkorn

Aktuell versucht die Feuerwehr zu retten, was vielleicht noch zu retten ist. Im neuen Teil des Aasees werden mit Hochleistungspumpen aus dem nationalen Katastrophenschutz-Bestand pro Stunde rund 1,5 Millionen Liter Wasser umgewälzt, so soll der Sauerstoffanteil im See erhöht werden. Zumindest ein geringer Teil der Fische hätte dann noch eine Überlebenschance.

Kommentar

Fischsterben im Aasee: Klimawandel wird spürbar

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Trotzdem dürfte es mindestens zehn Jahre dauern, bis sich der Fischbestand wieder erholt hat, glauben Experten vom 1500 Mitglieder starken Verein „Frühauf Münster“. Der 2. Vorsitzende Horst Kröber hat Tränen in den Augen, wenn er an die dramatischen Stunden seit der Todesnacht zurückdenkt. Irgendwann am Donnerstag vor Sonnenaufgang kippte der See nach extremen Hitzetagen und monatelang anhaltender Trockenheit um.

Hochleistungspumpen im Einsatz

In der Hauptfeuerwache tagte am Freitag der städtische Krisenstab und schnell war klar, dass mit den üblichen Feuerwehr-Pumpen zur Brandbekämpfung nicht genügend Wasser zur Sauerstoffanreicherung im Aasee umgewälzt werden kann. Über die Bezirksregierung ist es allerdings möglich, Spezialgerät zu ordern. Am Institut der Feuerwehr NRW in Münster und bei der Feuerwehr Emsdetten sind mobile Wasserfördersysteme des NRW-Katastrophenschutzes stationiert, die über Hochleistungspumpen verfügen. Sinnvoll für Hochwasserlagen, Überschwemmungen und bei der Großbrandbekämpfung. Mit dem Einsatz beider Systeme am neuen Teil des Aasees am Ufer in Höhe Mühlenhof und gegenüber am Segelclub Hansa werden seit Freitagabend 55.000 Liter Wasser pro Minute aus dem See mit Schwimmpumpen gezogen und über Wasserwerfer und Fontänen wieder in den See gespritzt. 

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20 Tonnen Fischkadaver entsorgt

Die Grünalgen als Hauptsauerstoffproduzenten starben als erstes im auf 26 Grad erwärmten Wasser, danach musste geschätzt 90 Prozent des unerwartet reichen Bestands an Zander, Hecht und Karpfen dran glauben. Rund 20 Tonnen Fischkadaver wurden am Freitag entsorgt, der Anglerverein schätzt allein den materiellen Schaden auf über 100.000 Euro. „Eine Katastrophe für uns“, so Kröber. Der Verein hat praktisch „sein Wohnzimmer verloren“, die für die Zucht unverzichtbaren Alttiere sind tot und können auch nicht mal eben nachgekauft werden.

Münster Aasee: Immer mehr Fische gehen ein

Mit rund 30 Aktiven unterstützt er seit Donnerstag das Abfischen und Einsaugen der Fische. Ein Hobby- und Freizeitparadies seines Vereins hat sich in einen Fischfriedhof verwandelt. An den Aaseetreppen erinnern am Samstag nur noch zwei abgestellte Container an die Bergungsaktion mit Saugwagen und Keschern vom Freitag. Nur ganz vereinzelt sind noch kleine Fische zu sehen, die tot an der Wasseroberfläche treiben.

Lohnt ein Auffrischen des Fischbesatzes?

In diesem Teil des Sees ist offenbar kein Leben mehr. Tretboote und Segelboote kreuzen wieder, es riecht kaum noch nach Fisch und die Außengastronomie ist angesichts der angenehmen Sommertemperaturen ausgelastet.  Erst im Herbst werde man als betroffener Fischereiverein eine seriöse Bestandsaufnahme machen können und dann überlegen, ob es angesichts des Klimawandels überhaupt sinnvoll ist, in dem flachen See den Fischbesatz wieder aufzufrischen, so Kröber.

Entsorgung toter Fische am Aasee

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Für die Stadt war das dramatische Fischsterben quasi innerhalb von acht Stunden nach eigener Einschätzung nicht absehbar und auch nicht abwendbar. Das sehen auch die Mitglieder des Fischereivereins so. Aktuell gibt es keine Schuldzuweisungen. Allerdings auch keinen Plan, wie man so ein solch massives Fischsterben bei extremen Wetterlagen künftig vermeiden könnte.  

Gewässer-Ökologe Lutz Hirschmann vom Umweltamt hatte am Mittwochnachmittag die kritische Sauerstoff-Konzentration gemessen. „Da haben bei mir die Alarmglocken geläutert, aber für Maßnahmen war es zu spät“, so Hirschmann. Am anderen Morgen zum städtischen Dienstbeginn hatte das Massensterben schon unaufhaltsam eingesetzt. Schuld am Desaster sei auch der mangelnde Zufluss der Aa in den künstlichen See, schon vor den Toren der Stadt wird zudem von den Äckern zu viel tödliches Phosphat in den See gespült.

Renaturierungs-Maßnahmen der Vergangenheit wirkten

„Die Renaturierungs-Maßnahmen vergangener Jahre haben dennoch gewirkt, mit so einem reichen Fischbestand haben wir nicht gerechnet“, so Hirschmann.  Auch in den Teichen an der Dyckburg und in der Gräfte an der Engelenschanze wird die Situation wegen des Niedrigwassers aktuell als kritisch eingestuft, hier wird bereits Wasser in die stehenden Gewässer gepumpt.

Die Feuerwehr selbst bleibt zumindest bis Montagmorgen an beiden Uferseiten des neuen Aasees mit ihren Pumpen im Einsatz, rund 40 Aktive sind beteiligt. Dann wird auch mit Unterstützung des städtischen Krisenstabes das weitere Vorgehen abgestimmt.

Massives Fischsterben im Aasee

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