Nachrichten Münster
Sa., 15.05.2010
Asyl-Getto wird verschwinden
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Münster - Die Tage der Asylbewerber-Unterkunft am Pulverschuppen sind gezählt. „Bis zum Dezember“, erklärte Jochen Köhnke, Dezernent für Migration, bei einer Diskussion im Cinema, „werden die Baracken leer gezogen.“ Die Bewohner - vor allem Roma-Familien, die ursprünglich aus dem Kosovo stammen - würden „vorrangig“ in normalen Wohnungen untergebracht.
Die Barackensiedlung am Rand der Stadt war ursprünglich von 176 Menschen bewohnt, manche lebten hier jahrelang. „Derzeit sind wir schon unter 100“, so Köhnke. Für ihn sei es aber wichtig, dass die „tolle ehrenamtliche Hilfe“ der GGUA und der Kirchengemeinden auch nach der Auflösung der Barackensiedlung fortgeführt wird.
Konrektorin Ursula Krawinkel von der Albert-Schweitzer-Förderschule, die zu einem Viertel von Schülern aus dem Kosovo besucht wird, kennt auch Vorteile der abgelegenen Siedlung: „Es gibt dort eine große soziale Hilfestellung, die Kinder haben Spielgefährten.“ Andererseits hätten ihre Schüler kaum Kontakte zu Deutschen: „Ich würde mir wünschen, dass sie ihre Kultur leben können, aber mehr Kontakt zu ihren Mitschülern haben.“
Zu der Diskussion hatte die Aktion 302 ins Cinema eingeladen. Noch immer drohe zahlreichen Roma aus Münster die Abschiebung in den Kosovo, sagte Gastgeberin Veronika Wolf. Wie es dort aussieht, konnte man in dem preisgekrönten Film „Nirgendwo im Kosovo“ sehen. Die Geschichte eines Roma, der als Straftäter nach seiner Haft in Richtung Pristina ausgewiesen wurde. Seine deutsche Frau und seine beiden Kinder lebten weiter in Deutschland. Für ihn gab es nur ein Leben im Elendsquartier neben der Müllhalde.
Dass es in Münster eine breite Ratsmehrheit gegen Abschiebungen gebe, machte Jochen Köhnke deutlich - „da unterscheiden wir uns von vielen anderen Städten“. Im Übrigen seien auch nicht mehr 302 Roma von Abschiebung bedroht. Eine Reihe von Aufenthaltsverlängerungen seien erteilt worden, da die Betroffenen nicht von finanziellen Hilfen abhingen, sondern Jobs hätten.
Die anderen müssen weiter fürchten. Wie Ursula Krawinkel erklärte, bedeute das vor allem für Schüler psychische Belastungen: „Die Angst vor der Abschiebung in ein völlig fremdes Land macht zielgerichtetes Lernen unmöglich.“
WN-Redakteur Günter Benning regte in der Diskussion mehr Kontakte, zum Beispiel durch Patenschaften für Jugendliche an: „Wer gut vernetzt ist, kann schlechter abgeschoben werden.“
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