Nachrichten Münster
Fr., 02.04.2010
Butler von Beruf: Ein Mann mit Manieren
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Münster - Mann oh Mann! Was hat dieser Mann doch für feine Manieren. Galant und charmant bewegt er sich in seinem Stresemann und sieht darin wie ein Gentleman aus. Mit weißen Handschuhen und tipptopp gepflegt - vom Scheitel bis zur Sohle. Weißer Spitzenkragen, hellgraue Weste, Hosenträger und Krawatte, funkelnde Manschettenknöpfe, gestreifte Hose und Gehrock - das Outfit macht was her. Es ist maßgeschneidert und Gerd von Kampen darin stets zu Diensten. Immer schön lächelnd. Und mit frischem Atem. „Das ist ein Muss,“ sagt der Butler aus Leidenschaft.
Auf Events und Hochzeitsmessen, wie in der Halle Münsterland, auf Empfängen, Geburtstagen und diversen Feiern bei gut betuchten Herrschaften gibt er eine gute Figur ab. „Ich diene gerne. Das liegt mir.“ Erst kürzlich hat er die Staatsministerin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt vom FMO-Rollfeld abgeholt und sie, wie er sagt, ins schönste Hotel in Osnabrück chauffiert. Er war für vier Tage als ihr Butler von einer Eventfirma gebucht worden.
Gerd von Kampen ist seit zwei Jahren Butler. Und zwar einer mit Diplom. Das hat er bei der „International Butler- Academy“ im niederländischen Zeist erworben. „Das ist die beste Schule der Welt“, sagt der 41-Jährige, dessen Vorfahren aus Ungarn und Österreich stammen. In zwei Monaten wurde ihm das nötige Rüstzeug für den Beruf eines Butlers vermittelt. „12 500 Euro hat die Ausbildung gekostet“, informiert von Kampen, der seine Ersparnisse in das Butler-Training investierte.
In Münster ist der gebürtige Osnabrücker zu Hause, der eine Lehre als Gärtner machte, seinen Zivildienst absolvierte und sich anschließend zum Erzieher ausbilden ließ. Zwölf Jahre arbeitet er beim Deutschen Kinderschutzbund in Osnabrück. In einer Gruppe machte und macht er Supervision. Eines Tages gab ihm der Gruppenleiter den Anstoß, es doch als Butler zu versuchen. Gesagt, getan. Gerd von Kampen besuchte einen Butler in Dresden, arbeitete drei Tage mit ihm in einer Villa. „Ich habe positive Rückmeldungen bekommen. Da war mir klar, dass ich Butler werde,“ erzählt der Mann mit den feinen Manieren, der täglich im Knigge liest und am liebsten in Dubai arbeiten möchte. Vor der Butlerschule im englischen Totnes hat er drei Monate stramm Englisch gepaukt und war in einem Vier-Sterne-Hotel als Weinkellner tätig.
In der Butler-Academy war er einer von zwölf Teilnehmern, die sich in einer Reihe aufzustellen hatten, um von einem Hauptbutler in Augenschein genommen zu werden. Fusseln oder Schuppen auf dem Anzug, schlecht geputzte Schuhe oder das Deo vergessen? „Das geht gar nicht“, sagt Gerd von Kampen, dessen Großeltern am Stadion vom VfL Osnabrück einen Tante-Emma-Laden hatten.
Ein perfekt gedeckter Tisch samt perfektem Servieren? Für Gerd von Kampen, der täglich seine Schuhe putzt, kein Problem.
In Zeist hatte er einen Tag Zeit zum Üben, um für zwölf Gäste edel einzudecken. Auch das Bügeln einer Zeitung durfte nicht fehlen, damit die Druckerschwärze nicht an den Händen der Herrschaften abfärbt.
In einem Fünf-Sterne-Hotel in Belgien sammelte Gerd von Kampen seine Erfahrungen und war nach der Ausbildung zum Butler im Grand-Hotel auf Rügen tätig, zudem auf einer Millionärsmesse in Amsterdam am Ball. Wer seine Dienste in Anspruch nehmen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Denn eine Stunde lässt er sich mit 100 Euro bezahlen.
Wenn er in Münster ist, geht er gerne auf den Wochenmarkt. Als Butler schenkt er am Stand seines Bekannten von Feinkost Kuhl Kaffee aus. Mit Christoph Gilsbach, Pantomime, Zauberer und Clinic-Clown, möchte er demnächst enger zusammenarbeiten.
Seine guten Manieren kommen übrigens nicht nur von der Butler-Schule. „Die hat mir schon meine Mutter als Kind beigebracht.“
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