Nachrichten Münster
Di., 15.12.2009
Daniel Bahr muss im Bundestag sein Temperament zügeln
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Münster - Er ist Regierung. Und sieht auch so aus. Dunkelblaues Jackett, Ton in Ton die Krawatte. Das spricht Bände: Seriosität statt Wahlkampf-Getöse. Die liberale Abteilung Attacke muss seit einigen Wochen ohne Daniel Bahr auskommen - denn dessen Wirkungskreis ist höchst vermint: Der FDP-Politiker ist bekanntlich Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium und damit Münsters hochrangigster Bundespolitiker im Amt.
Wenn sein Parteikollege und Ressortchef Philipp Rösler im Bundestag verhindert ist, nimmt Bahr auf Angela Merkels Regierungsbank unter der Reichstagskuppel Platz. „Da steht man unter besonderer Beobachtung“, hat der 33-Jährige beim Blick in die Gesichter der Abgeordneten-Kollegen bereits festgestellt. Eine Umstellung - auch, weil die Teleobjektive und Kameras auf der Pressetribüne die Regierung intensiver ins Visier nehmen.
Zwischenrufe und Klatschen sind für den lustvollen Polit-Streiter nunmehr tabu. „Kopf schütteln und Grimassen - das geht noch“, plaudert Bahr beim Redaktionsbesuch unserer Zeitung aus dem Regierungs-Nähkästchen. Ihm falle die neue Rolle durchaus noch schwer, gibt er freimütig zu. Aber tauschen will er auf keinen Fall: „Ich habe sieben Jahre lang dafür gekämpft.“
Noch seltener als zuvor sieht der Liberale allerdings Ehefrau Judy und die Wohnung im münsterischen Kreuzviertel. Eine „enorme Mehrbelastung“ bringe das Amt mit sich. „Man ist nicht mehr Herr seines eigenen Terminkalenders.“ Aber dafür steht ein Dienstwagen bereit: „Das hört sich toll an“, räumt der Staatssekretär ein. „Man muss nicht mehr gucken, wo man parken kann.“ Ein Vorteil im engen Zeitkorsett des Staatssekretärs. Zumal sich das politische Hamsterrad unermüdlich weiterdreht. Nur den Dienstwagen, mit dem die ausgeschiedene Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bei ihrem Spanien-Trip für Schlagzeilen gesorgt hat, habe er noch nicht benutzt,
Den jüngsten Aufenthalt in Münster nutzt Bahr dagegen zum Besuch bei seinem Hausarzt: Kontakt mit der Basis und eine Spritze gegen die Schweinegrippe. Ein Thema übrigens, das dem Neuling im Amt seine Regierungsrolle vor Augen führt: „Man wird für Dinge verantwortlich gemacht, für die wir gar nicht verantwortlich sind.“
Die Bekämpfung der Schweinegrippe etwa sei Ländersache. Trotzdem legt Bahr beim Gedanken an die Impfmüdigkeit der Deutschen seine Stirn in tiefe Falten. Die werden auch angesichts des milliardenschweren Lochs in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht weniger.
Systemwechsel, wettbewerbsfähige Tarife, einkommensunabhängige Pauschalen - all das will der Liberale tun, um das System zu retten. Und liegt darüber mit den „Nervensägen aus München“ im Clinch. „Manche wissen nicht, was sie unterschrieben haben“, kontert Bahr die Störfeuer aus dem Süden.
Im Ministerium unterschreibt Bahr übrigens zwecks Erkennbarkeit mit lila, sein Chef Rösler - zu Zeiten im FDP-Nachwuchs einer seiner Gegenspieler - verwendet grün. „Jetzt verstehe ich mich gut mit ihm“, sagt Bahr.
Trotz seines vollen Terminkalenders, die strubbeligen Mehrheitsverhältnisse im münsterischen Rat beschäftigen Bahr. Wortbruch wirft er der SPD wegen ihrer Zusammenarbeit mit den Linken vor. „Ich freue mich, dass wir klare Verhältnisse in Berlin haben.“
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