Nachrichten Münster
So., 16.08.2009
Eine Zukunft für die Goldkinder
Münster - Namenlos, elternlos, ganz auf sich allein gestellt. Auf Müllkippen suchen sie nach Essensresten. Keiner kümmert sich um die bettelnden Kinder im Norden von Thailand, die keine Staatsangehörigkeit haben, nicht wissen...
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Münster - Namenlos, elternlos, ganz auf sich allein gestellt. Auf Müllkippen suchen sie nach Essensresten. Keiner kümmert sich um die bettelnden Kinder im Norden von Thailand, die keine Staatsangehörigkeit haben, nicht wissen, wie alt sie sind und auf der Straße ein unwürdiges Dasein fristen. Sie müssen täglich ums Überleben kämpfen. Manche schnüffeln Klebstoff, um der gnadenlosen Wirklichkeit zu entfliehen. Um zu Überleben sind diese Kinder gezwungen zu betteln oder sich sogar zu prostituieren.
Der Münsteraner Rüdiger Claus, der im Medienhaus Aschendorff das Facility-Management leitet, hat dieses Elend bei einem Thailand-Urlaub erlebt. Mit der münsterischen Ärztin Dr. Andrea Diekhaus blickte er in traurige Kinderaugen. „Diese Bilder kann man nicht vergessen“, sagt Rüdiger Claus, der seine Eindrücke nicht auf sich beruhen lassen will. „Da kann man nicht tatenlos zusehen.“ Deshalb hat er beschlossen, sich zu engagieren für die Goldkinder in Mae Sai - so genannt, weil sie im Goldenen Dreieck, dem Grenzgebiet zwischen Thailand, Laos und Myanmar, leben.
Im Februar geht es erneut nach Thailand, wo die Münsteraner die Kinderärztin Dr. Gudrun Daugs, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Goldkinder“, und den Architekten Günther Knopfe kennengelernt haben und in einem Zug das Projekt „Childlife“. Die Thüringer aus Wölfershausen sind seit 15 Jahren immer wieder in Mae Sai, wo die Ärztin Sprechstunden unter freiem Himmel und Impfaktionen durchführt.
Im Juli vergangenen Jahres haben die Thüringer mit der Gründung eines Vereins ein Fundament für die Goldkinder gelegt, um das Projekt „Childlife“ zu unterstützen. „Die Goldkinder dürfen auch hier nicht vergessen werden“, sagt Rüdiger Claus - und richtete eine Niederlassung in Münster ein. Sie ist unter Telefon 0173/9912704 oder per E-Mail (goldkinder-muenster@web.de) zu erreichen.
„Mit acht Euro im Monat kann ein Kind fünf Monate die Schule besuchen, oder einen Monat lang satt zu essen bekommen“, berichtet Claus, der begeistert ist von Ngaow, dem Gründer des „Childlife-Dorfes“. Der ehemalige Grafikdesigner kümmert sich völlig selbstlos um 130 Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren und scheint nur für sie zu leben. Mit drei ehrenamtlichen Helfern und einer Köchin gibt er ihnen Halt und eine Heimat, in der sie in einer Gemeinschaft ihr Lachen wiederfinden. Die Goldkinder leben in einem einfachen Haus, in dem jeder seine Aufgabe hat. Es wird Reis angebaut, ein Gemüsegarten wird liebevoll von den Kindern gepflegt.
Die Wände des Hauses sind zum Teil aus Stroh. „Weil es kein Geld gibt, weiterzubauen“, informiert Rüdiger Claus über das Projekt „Childlife“, das vor über zehn Jahren auf den Weg gebracht wurde. Die Hälfte der Kinder habe kein Bett, es fehle an Decken, Kleidung, Essen und medizinischer Versorgung.
„Die Kinder sind auf jeden Euro angewiesen. Wir kümmern uns mit zurzeit 21 Vereinsmitgliedern darum, dass jede Spende ohne Umwege den Kindern zugute kommt“, verdeutlicht Rüdiger Claus und weist auf die schlechte Finanzlage des Vereins von unter 1000 Euro hin.
Er hofft auf die Spendenbereitschaft der Münsteraner, damit die Goldkinder an ihrer Zukunft bauen können. Und auch pädagogische Kräfte oder Handwerker wie Tischler oder Maschinenbauer, die Erfahrungen sammeln möchten, könnte er für drei Monate oder ein Auslandsjahr zu den Goldkindern von Mae Sai vermitteln.
Wer helfen möchte, hier die Bankverbindung bei der Commerzbank: BLZ 840 400 00, Konto-Nummer 75 50 999 00, Stichwort: „Goldkinder-Spende“.
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