Nachrichten Münster
Mi., 17.06.2009
Viele Wünsche unerfüllt
Münster - 51 000 Münsteraner haben eine Migrationsgeschichte. 150 von ihnen drängelten sich Dienstagabend bei einem Hearing über kommunale Migrationspolitik im Stadthaus 2. Mancher zeigte dabei Münsters Politikern...
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Münster - 51 000 Münsteraner haben eine Migrationsgeschichte. 150 von ihnen drängelten sich Dienstagabend bei einem Hearing über kommunale Migrationspolitik im Stadthaus 2. Mancher zeigte dabei Münsters Politikern, dass er sich eher als Stiefkind dieser Stadt fühlt. Der Unmut war so stark, dass FDP-Ratsfrau Gisela Geschkewitz am Ende mit der Fassung rang: „Ich bin tief erschüttert. Ich hätte die Gräben nicht so tief gesehen.“
Gräben - an deren Hängen steht da etwa die in Münster geborene Kosovarin, die ihre Abschiebung fürchtet („Was soll ich im Kosovo, ich kann noch nicht mal die Sprache?“). Ihr gegenüber einer wie SPD-Oberbürgermeisterkandidat Wolfgang Heuer, der sich hütet, lokale Abschiebestopps zu versprechen. Da gebe es Gesetze. Immerhin soviel: Er würde in seine Entscheidungen Asyl-Experten wie den GGUA-Vertreter Volker Maria Hügel einbinden.
Spyros Marinos, oft impulsiver Vorsitzender des Ausländerbeirats, hatte zum Hearing eingeladen. Er blieb im Ton ruhig, aber auch resignativ. Letztes Jahr wurde in Münster ein Migrationsleitbild verabschiedet. Geändert habe sich nichts. Überdies spürt er Gegenwind für die Ausländerbeiräte aus Düsseldorf. Die Macht der Stadträte würde steigen, die Vielfalt der vertretenen Kulturen sinken. Die Sache ist noch in Beratung.
Gräben - da kritisiert auf der einen Seite ein Politologe aus Afrika das Gefühl, in der Stadt abgelehnt zu sein. Von Gleichberechtigung, wie im Leitbild gefordert, keine Spur. Auf der anderen Seite steht Joachim Sommer, Chef der „Brücke“. Seit 40 Jahren höre er die Klagen von beiden Seiten. Er verstehe immer noch nicht, warum Migranten nicht in Parteien ihr Wort ergriffen.
Dazu wäre, betonte Prof. Dr. Brigitte Hasenjürgen, zumindest ein kommunales Wahlrecht auch für Nicht-Deutsche nötig. Eine Forderung, die der Linke Ali Atalan unterstützte, übrigens der einzige Mann mit Migrationsgeschichte auf dem Podium. In den großen Parteien sind Aktive wie er selten. Symptomatisch etwa die CDU, wie Ratsherr Richard M. Halberstadt zugab: „Vielleicht sind die eher auf den unteren Ebenen aktiv.“ Halberstadt verteidigte Münster als offene Stadt, am Bahnhof gebe es ein positives Miteinander der Kulturen. Und Flüchtlinge seien immer menschenwürdig untergebracht worden.
Gleichstellung: So einfach ist das nicht. Schon die Frauen-Gleichstellung, sagte Brigitte Hasenjürgen, sei bei den Grünen schwer durchzuziehen. Ihre FDP-Kollegin Geschkewitz lud jeden ein, in der Partei mitzumischen. Ihr Credo: „Woanders bin ich auch Ausländer.“
Eine Diskussion ohne Fazit, aber mit positiven Signalen. Moderator Günter Benning, stellvertretender Lokalredaktionsleiter der WN, lud die Zuhörer ein, mit ihren Anliegen auch zu den Medien zu kommen: „Wer mitmischen will, muss mitkommunizieren - auch daran fehlt es oft.“
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