Fr., 04.08.2017

Halbzeitbilanz der Skulptur-Projekte Mehr als 300.000 Besucher - Aufreger beschränken sich auf Zerstörungen

Die Massen strömen zu den Skulptur-Projekten 2017 wie in den Jahrzehnten zuvor. Unangefochtener Liebling der Besucher ist die Unterwasser-Brücke von Ayşe Erkmen.

Die Massen strömen zu den Skulptur-Projekten 2017 wie in den Jahrzehnten zuvor. Unangefochtener Liebling der Besucher ist die Unterwasser-Brücke von Ayşe Erkmen. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Viele Leute strömen, viele Medien loben, und es gibt interessante künstlerische Positionen. Das ist die eine Seite. Die Umsetzung und die Vermittlung der Kunst die andere. Insofern fällt die Halbzeitbilanz der Skulptur-Projekte 2017 durchwachsen aus.

Von Gerhard H. Kock

Wie reagieren die Medien?

Die Resonanz in den Medien ist bislang erdrückend positiv. Was sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass der Journalisten-Trupp nach den 120 Künstlern der Biennale in Venedig und den über 160 Künstlern mit ihren Botschaften in Kassel sich auf die überschaubaren 35 Skulptur-Projekte in Münster freut, wo auch mal der Körper beim Radeln zu seinem Recht kommt. Einzelne Stimmen kritisieren die Auflösung des Skulpturen-Begriffs oder merken kritisch an, dass die Öffentlichkeit der Arbeiten teilweise kompliziert ist.

Wie ist die öffentliche Resonanz?

In Münster gibt es – anders als in den Jahrzehnten zuvor – keine breiten öffentlichen Reaktionen. Heftige Ablehnung oder überschwängliche Begeisterung – Fehlanzeige. Ein Aufreger in künstlerischer Hinsicht war lediglich der Tieflader, der angeblich die Moore-Skulptur „verschandelt“. Verärgerung gibt es hinsichtlich der offiziellen Karte der Skulptur-Projekte, die von vielen als verwirrend angesehen wird: Die Projekte seien schlecht zu finden, die Erläuterungen wenig hilfreich.

Fotostrecke: Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

Was ist das Besondere dieser Skulptur-Projekte?

Waren die Skulptur-Projekte einst mit der Devise angetreten: „Raus aus dem Museum, ran an die Leute“, gibt es diesmal zeitliche und organisatorische Beschränkungen, die museal anmuten. Es gibt viele Öffnungszeiten! Von 10 bis 20 Uhr und freitags bis 22 Uhr – wie im Museum eben. Die begrenzte Öffentlichkeit hat unterschiedliche Gründe: Viele Arbeiten befinden sich in Gebäuden, die nicht 24 Stunden geöffnet bleiben dürfen. Es gibt künstlerisch gewollte Einschränkungen, wie bei den Arbeiten von Huyghe, Schneider und Pirici, die nur eine begrenzte Personenzahl zulassen. Teils sind sie dem personellen Aufwand geschuldet, wie bei den Rettungsschwimmern für den Unterwasser-Steg und der Arbeit von Arakawa, die im Grunde erst bei Dämmerung gut wirken. Und nicht überall wird Englisches ins Deutsche übersetzt, so dass zum Beispiel die Performance im Friedenssaal für viele unverständlich bleibt.

Was sind die Lieblinge?

Unangefochten ist die Unterwasser-Brücke von Ayşe Erkmen der Renner. Vor allem klassische Skulpturen begeistern die Besucher. Der „Nuclear Temple“ von Thomas Schütte ist ein Familientreffpunkt. Und auch der „Brunnen“ von Nicole Eisenman erfreut sich großer Beliebtheit.

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Was sind die Aufreger?

Die beschränken sich diesmal bislang ausschließlich auf Zerstörungen. Aus den Gemälden auf grüner Wiese von Arakawa wurden LED-Panele gestohlen. Und vom Künstler wieder ersetzt. An den Gips-Figuren des Eisenman-Brunnens wurden Köpfe beschädigt. Einer wurde abgeschlagen und nach Rücksprache mit der Künstlerin nicht ersetzt, der andere mit Gips restauriert. Aus dem Gebäude der ehemaligen Präparation des Geologiemuseums, wo Koki Tanaka Videos zeigt, wurden Geräte gestohlen. Sie werden ersetzt, der Sicherheitsstandard wird erhöht.

Und die Zahlen?

Nach ersten Schätzungen der Skulptur-Projekte haben zur Halbzeit bislang weit über 300.000 Besucher Münsters internationale Kunstausstellung besucht. Allein am Eröffnungswochenende waren rund 1000 Pressevertreter aus 50 Ländern unterwegs. Vom Katalog ist die erste Auflage mit 30.000 Exemplaren so gut wie weg. Die zweite Auflage in Höhe von 15.000 Stück ist bereits im Druck. Der Etat (Geld- und Sachmittel) für die 35 Projekte von Künstlern aus 19 Nationen sowie allem Drumherum beträgt 7,7 Millionen Euro. 

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