Fr., 02.05.2008

Ian Hamilton Finlay - Eine Erinnerung an Annette Was bleibt nach dem Entschwinden?

Ian Hamilton Finlay - Eine Erinnerung an Annette : Was bleibt nach dem Entschwinden?

Hoch am Baum hängt die Tafel mit dem Satz der Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Gerhard H. Kock

Münster. Wer kennt Ludwig Roth von Schreckenstein? Wer kennt Annette von Droste-Hülshoff? Was überdauert, Politik oder Poesie, Militär oder Muse, Wichtigkeit im Leben oder Worte für die Ewigkeit? Es gibt wohl nur einen Ort in Münster, wo diese Fragen brennend werden: der alte Überwasserfriedhof. Dort hat der schottische Bildhauer Ian Hamilton Finlay 1987 bescheiden einen 35 mal 75 mal 20 Zentimeter großen Sandstein an einer Pappel anbringen lassen.

Heute hängt das Epitaph direkt über der Eindruck schindenden Grabstätte des Freiherrn Roth von Schreckenstein (16. November 1789 - 30. Mai 1858). Kein Geringerer als Bildhauer Friedrich Drake (1805-1882), dessen goldene Viktoria die Berliner Siegessäule krönt, soll den aufgebahrten Metall-Corpus des preußischen Kriegsministers von 1848 (20. Juni bis 7. September) geschaffen haben. Vielleicht war aber auch nur ein westfälischer Wunsch Vater dieser zur Ehre gereichenden Urheberschaft. Andere Quellen geben nämlich den Oberschlesier August Kreß (1802-1860) als Schöpfer an.

Freiherr Ludwig Roth von Schreckenstein ruht unter den "Augen" der Dichterin.
Foto: Gerhard H. Kock

Wie dem auch sei, hier trifft die Muse auf das Militär . Auf Tafeln an Kopf- und Fußende des Generals sind Wappen (vier Felder zwei Kreuze, zwei Einhörner) und Worte in Bronze gegossen: „Terrere nolo. Timere Nescio.“ („Ich will niemanden schrecken und kenne keine Angst.“). Die in Stein gehauenen Epitaph-Worte ,,Meine Lieder werden leben, wenn ich längst entschwand“ stammen von der Zeitgenossin des kommandierenden Generals Annette von Droste-Hülshoff.

Das Entschwinden teilte der Stein mit der Liedautorin. Während der „Skulptur 1987“ stahl jemand das Werk vom Überwasser-Friedhof. Fünf Jahre blieb es verschollen. 1992 tauchte es in einem Garten an der Hittorfstraße wieder auf. Eine Leserin der Westfälischen Nachrichten meldete sich aufgrund eines Artikels. Sie habe gedacht, es sei ein „umgestürzter Grabstein“ als sie ihn 1987 in ihrem Garten entdeckt hatte. Die Frau gab an, sie habe zu jener Zeit eine „starke Beziehung zu Übersinnlichem gehabt und beließ den Gedenkstein daher genau dort, wo ihn scheinbar „höhere Mächte” plaziert hatten.
Vom Moose befreit wurde das Dichterinnen-Wort zum fünften Sonntag der Fastenzeit wieder in entsprechenderer Höhe angebracht,
Der Eigenbrötler Finlay starb am 27. März 2006 im Alter von 80 Jahren in einem Altersheim in Edinburgh. Sein Stein hat überdauert.

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