Sa., 14.11.2015

Windräder in Münster Bürgerbedenken nicht zerstreut

Münster-West - 

Fachleute der Stadt informierten in Albachten über mögliche Standorte von Windkraftanlagen. Die Bedenken so mancher Bürger konnten die Experten allerdings nicht zerstreuen.

Von Annegret Lingemann

Nicht wenige Menschen sorgen sich: Sind Windkraftanlagen gesundheitlich bedenklich? Muss man in der Nähe von Wohngebieten die Befürchtung haben, dass sie für die Anwohner fatale Auswirkungen haben? Weg vom Atomstrom, das ist die erklärte politische Devise. Aber ohne Windkraftanlagen kann das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2020 beachtliche 20 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Ressourcen zu bestreiten, vermutlich nicht erreicht werden.

In diesem Spannungsfeld bemüht sich das Stadtplanungsamt, frühzeitig über Flächennutzungspläne in Bezug auf Windkonzentrationszonen zu informieren. So jetzt geschehen im „Haus der Begegnung“ in Albachten. Eine Karte mit vielen kleinen grünen Flecken, eins für jeden möglichen Standort, veranschaulichte den Flächennutzungsplan.

Versuchten, auf die Fragen und Sorgen der Albachtener in Sachen Windkraftanlagen einzugehen (kl. Foto, v.l.): Tobias Krause-Kämereit (Stadtplanungsamt) Dr. Rüdiger Böngeler (Gutachterbüro enveco), Dr. Olaf Denz (Gutachter Artenschutzprüfung), Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine, Matthias Bartmann und Gerd Franke (beide Stadtplanungsamt).

Versuchten, auf die Fragen und Sorgen der Albachtener in Sachen Windkraftanlagen einzugehen (kl. Foto, v.l.): Tobias Krause-Kämereit (Stadtplanungsamt) Dr. Rüdiger Böngeler (Gutachterbüro enveco), Dr. Olaf Denz (Gutachter Artenschutzprüfung), Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine, Matthias Bartmann und Gerd Franke (beide Stadtplanungsamt). Foto: ann

„Wir reden noch lange nicht darüber, wo schließlich eine Anlage gebaut wird“, versuchte Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine die Gemüter zu beruhigen. „Dies ist lediglich die Präsentation des überarbeiteten Planungsentwurfs für das süd-westliche Stadtgebiet. Wir wollen erklären, warum die Stadt an welchen potenziellen Windkraft-Flächen festhält. Ob dann dort tatsächlich gebaut wird, muss letztlich der Investor entscheiden.“

Einem Bau aber müssen, so betonte Matthias Bartmann von Stadtplanungsamt, erhebliche Prüfungen vorausgegangen sein. Im Emissionsgesetz fänden sich beispielsweise genaue Regelungen zu Lärm und Schattenwurf. Auch luftverkehrliche Aspekte und Artenschutzfragen müssten vorher geklärt sein.

Gerd Franke vom Stadtplanungsamt stellte das Referenz-Modell vor: eine 150 Meter hohe Anlage, 100 Meter Nabenhöhe und 100 Meter Rotordurchmesser. Bei diesen Abmessungen dürfe in NRW der Abstand zur Wohnbebauung nicht näher als die zweifache Höhe der Anlage plus Rotorradius – also 250 Meter – betragen. Falls aber nur eine höhere Anlage wirtschaftlich zu betreiben sei, gelte: Je größer der Mast oder der Rotorradius, umso größer die Entfernung zu einem Wohnbereich.

Diese Abstände seien, so der Gutachter Dr. Rüdiger Böngeler, durch viele Prüfungen und Messverfahren als unbedenklich eingestuft. Allerdings sei diese Regelung Ländersache und nicht bundesweit einheitlich. Die Schädlichkeit durch den Infraschall, also die tiefen Frequenzen unterhalb der menschlichen Hörschwelle, sei durch eine Studie des Umweltbundesamtes 2014 als äußerst gering bewertet worden.

Die Bedenken einiger Bürger wurden indessen nicht zerstreut und Brinktrine nahm sie ernst: „Wir werden Sie weiterhin informieren, Sie können Ihre Bedenken äußern, und wir werden sie dem Rat der Stadt zur Kenntnis geben, letztlich wird die Politik entscheiden.“

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