Alexianer-Campus
Für acht Forensik-Patienten gab‘s unbegleiteten Ausgang

Münster-Amelsbüren -

Ein Jahr nach dem Streit um die Ausgangsregelungen der Forensikklinik hat sich die Situation in Amelsbüren entspannt. Acht Forensik-Patienten hatten in der Zeit unbegleiteten Ausgang. Probleme gab es nicht, sagen Klinik und Nachbarn unisono.

Sonntag, 28.01.2018, 08:01 Uhr

Das Tor der Christophorus-Klinik hat sich im vergangenen Jahr für acht Patienten zu unbegleiteten Ausgängen auf dem Alexianer-Campus geöffnet. Zu Problemen kam es nach Angaben der Klinikleitung nicht.
Das Tor der Christophorus-Klinik hat sich im vergangenen Jahr für acht Patienten zu unbegleiteten Ausgängen auf dem Alexianer-Campus geöffnet. Zu Problemen kam es nach Angaben der Klinikleitung nicht. Foto: gro

Ein Jahr nach dem Streit um die Ausgangsreglungen stellt Alexianer-Geschäftsführer Stephan Dransfeld fest: „Wir haben wieder ein gutes Einvernehmen mit den Nachbarn. Wir können wieder vernünftig miteinander umgehen.“ Selbst diejenigen Nachbarn, die kritisch verfolgen, was rund um die Forensik-Klinik passiert, sagen: „Es ist alles ruhig geblieben.“

Acht Patienten haben auf dem Alexianer-Gelände Ausgang erhalten, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Dieter Seifert. Darunter seien Patienten mit einem Sexual- oder Tötungsdelikt ebenso wie Brandstifter. Es sind zumeist langjährige Patienten. Denn rein statistisch leben ein Drittel aller Personen, die sich in NRW im Maßregelvollzug befinden, seit mehr als zehn Jahren hinter den hohen Zäunen einer forensischen Einrichtung.

Ausgang genau vorbereitet

Jeder Ausgang werde sehr genau vorbereitet und diene wie die gesamte Therapie dazu, dass von den Patienten keine neuen Straftaten begangen werden.

Von diesen acht Patienten wohnen mittlerweile vier nicht mehr in der Klinik, informiert Seifert. Zwei sind dauerbeurlaubt, zwei sind bedingt entlassen. Insgesamt wurden 2017 nach seinen Angaben 17 Patienten in die weitgehende Lockerung oder Beurlaubung geschickt.

Sieben Anrufe bei Telefon-Hotline

Die Telefon-Hotline sei sieben Mal genutzt worden. Sechs Anrufe gingen ein, als ein Polizei-Hubschrauber längere Zeit über Amelsbüren kreiste. Ein weiterer Anruf erfolgte, als an der Kanalbrücke eine hilflos wirkende Person mit Rollator angetroffen wurde. Sie hatte laut Pflegedienstleiter Renko Janßen nichts mit dem Alexianer-Krankenhaus zu tun.

Zwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Nachbarn und der Forderung der Klinik, Ausgänge auf dem Alexianer-Campus aus therapeutischen Gründen zu ermöglichen, hatte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz erfolgreich vermittelt.

Kompromiss sieht enge Grenzen vor

Der Kompromiss sieht enge Grenzen für Ausgänge vor: Stets darf nur ein einziger Patient nach draußen, in Ausnahmefällen sind es zwei. Der Ausgang muss werktags zwischen 8 bis 12.30 Uhr erfolgen. Damit soll der Kontakt mit Kindern weitgehend ausgeschlossen werden. Während der Schulferien bleiben unbegleitete Ausgänge auf dem Campus tabu.

Ausgang heißt nicht, sich im Sinnespark ein paar entspannte Stunden zu machen. Ein Ausgang ist stets mit konkreten Aufträgen verbunden, etwa dem Kauf von Brötchen im Roncalli-Haus und einem Besuch der Werkstätten.

Sonderregelung in Eickelborn gekippt

In Lippstadt-Eickelborn ist  die 1:1-Ausgangsregelung für Forensik-Patienten durch das Oberlandesgericht Hamm gekippt worden. Geklagt hatte ein Patient, der  selbst schon nicht mehr in einer Forensik-Klinik lebt. 22 Jahre lang hatten die bisherige Ausgangsregelungen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bestärkt. Patienten, die wegen eines Sexual- oder Tötungsdelikts einsitzen, erhalten im Kreis Soest keine unbegleiteten Einzelausgänge.

Wie reagiert die Klinikleitung in Amelsbüren? „Wir sehen überhaupt keinen Anlass, unseren Kompromiss vom vergangenen Jahr auch nur ansatzweise in Frage zu stellen“, erklärt Geschäftsführer Stephan Dransfeld. Alle Regelungen würden aufrecht gehalten, „weil wir auf eine einjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken“. Was der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug zu den Sonderregelungen in Eickelborn, Amelsbüren und Rheine festlegen werde, warte man in Ruhe ab.

Die LWL-Klinik in Eickelborn setzt auf freiwillige Vereinbarungen für einen begleiteten Ausgang.

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