Amelsbüren erkunden
An jeder Gaststätte wurde ein Zwischenstopp eingelegt

Münster-Amelsbüren -

Viel Ortsgeschichte, darunter sehr viele Zahlen, aber auch so manche Anekdote hielt Richard Vennemann parat, die er stets mit spürbarer Freude am Erzählen darzubringen weiß. Jetzt ging es mit ihm zu einem ortskundlichen Spaziergang über den Friedhof.

Freitag, 22.06.2018, 21:00 Uhr

Richard Vennemann führte über den Friedhof. Im Hintergrund eine aus Sandstein gefertigte Darstellung des auferstandenen Christus. Der einzigartige Kreuzweg ist ein Werk von Joseph Krautwald.
Richard Vennemann führte über den Friedhof. Im Hintergrund eine aus Sandstein gefertigte Darstellung des auferstandenen Christus. Der einzigartige Kreuzweg ist ein Werk von Joseph Krautwald. Foto: gro

„Man muss ja schließlich wissen, wo man später hinkommt“, sagt jemand augenzwinkernd, als er sich der großen Gruppe interessierter Amelsbürener anschließt, die sich eine Führung mit Richard Vennemann über den katholischen Friedhof nicht entgehen lassen wollten. Das Ökumenische Bildungswerk hatte die Veranstaltung organisiert.

Viel Ortsgeschichte, darunter sehr viele Zahlen, aber auch so manche Anekdote hielt Vennemann parat, die er stets mit spürbarer Freude am Erzählen darzubringen weiß. So wurde es ein kurzweiliger, etwa 60-minütiger Spaziergang über den Friedhof, an dessen Ende die Erkenntnis stand, dass der gegenwärtige dramatische Wandel der Beerdigungskultur auch um Amelsbüren keinen Bogen macht. Viele alte Grabstätten werden nicht erneut belegt. Es gibt viele Freiflächen. Immer mehr Leute bevorzugen eine Urnenbestattung.

Bis vor gut 140 Jahren wurde noch direkt an der Kirche beerdigt, rief Vennemann in Erinnerung. Der Bereich der heutigen Davertstraße vor der Post war Friedhofsbereich. Auch Teile der Kirche stehen nach der Erweiterung 1892/94 auf Friedhofsgrund. Die ältesten erhaltenen Epitaphe befinden sich heute im Kirchinnern. Es handelt sich um die Grabsteine für die Pfarrer Johann Breker (+1666) und Wilhelm Kappelhof (+1730).

1931 wurde der ehemalige Reichstagsabgeordnete Carl Herold zu Grabe getragen. Die Kirche wurde ausgeschlagen mit schwarzem Trauerflor. Trauergäste kamen aus dem fernen Berlin, 200 Autos waren im Dorf. Herold wurde zunächst auf dem Amelsbürener Friedhof begraben. Erst später wurde er umgebettet in die Kapelle bei Gut Loevelingloh, die um 1940 errichtet wurde.

Ein weiteres großes Ereignis war die Beerdigung des Oekonomierates Dr. h.c. Josef Brüning-Sudhoff im Jahr 1951. Ihm zu Ehren trugen zur Beerdigung alle in Amelsbüren ihre Reitermütze auf dem Kopf. Wer keine eigene besaß wie Georg Schwering, lieh sich eine. Richard Vennemann erlebte die Beerdigungsfeier als Messdiener mit. Elf Messdiener wurden aufgeboten. „Bei jeder Gaststätte wurden angehalten, und es gab belegte Brötchen“, erinnerte sich Vennemann lebhaft und zählt sie alle auf, angefangen von der Alten Post über Freitag bis Offermann. „Belegte Brötchen, so etwas gab sechs Jahre nach dem Krieg gar nicht“, erzählte Vennemann. „Das war etwas ganz Besonderes.“

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