Mi., 19.07.2017

Flüchtlingsproblematik Paten und Wohnungen gesucht

Lebendiger Austausch:  Manuela Willenborg (3.v.l.) hatte als Moderatorin für den Arbeitskreis am Dienstagabend in die Alte Schule in Angelmodde-Dorf eingeladen.

Lebendiger Austausch:  Manuela Willenborg (3.v.l.) hatte als Moderatorin für den Arbeitskreis am Dienstagabend in die Alte Schule in Angelmodde-Dorf eingeladen. Foto: anh

Münster-Wolbeck - 

Gemeinsam zusammenleben ist gerade in kleineren Orten wichtiger denn je. Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Südost macht da eine gute Arbeit – dennoch gibt es Optimierungsbedarf.

Von Andreas Hasenkamp

Manches könnte besser laufen zwischen den im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Südost engagierten Helfern: Mehr Vernetzung und Austausch war daher ein Ziel, zu dem Manuela Willenborg als Moderatorin für den Arbeitskreis am Dienstagabend in die Alte Schule in Angelmodde-Dorf eingeladen hatte. Zehn waren gekommen.

Ursula Buchwald unterrichtet Deutsch und bedauert nur eins: „dass sie alle so schnell weggehen – es macht sehr viel Spaß“. Gerade für Frauen mit kleinen Kindern sei die Gelegenheit wichtig. Sie sucht neue Schüler: „Deswegen bin ich gekommen.“

Aus der früher sehr aktiven Willkommensgruppe berichtete Kurt Pölling, dass einige nach neuen Aufgaben suchen.

Lange unterhalten sich die Helfer über das Thema „Familienpaten“. Mancher ist besorgt, die Rolle könne ausufern. Aber das könne jeder Ehrenamtliche so zuschneiden, wie er wolle. Eine Frau ist mit ihrem Mann Patin für zwei Familien, eine andere Helferin kümmert sich um eine. Die Berufstätigkeit ziehe dabei Grenzen. Der Arbeitskreis sucht weitere Paten.

Ein Erfolg ist der Frauentreff, bei dem Barbara Hoebink-Johann mitwirkt und auch Angelika Füllgrabe: „Ich bin neu zugezogen und habe mir einfach ein paar Aufgaben gesucht.“ Die Männer dieser Frauen hätten ihren Umgang mit Frauen verändert.

Am meisten drückt der Schuh beim Wohnraum. Die Container und andere Wohnungen auf dem Hof Buddenbäumer sollen bald ganz leer sein, aber es ist teils unklar, wohin die Flüchtlinge sollen. „Der Wohnungsmarkt ist eine Katastrophe“, bündelt Willenborg die Erfahrungen.

In diesen Tagen soll ein Vater mit seinen drei Söhnen für sechs Wochen in eine andere Unterkunft umziehen, in der ein „sehr konservatives“ muslimisches Paar eine halbe Wohnung nutzt – gegen das Nutzen der anderen Hälfte sträuben sie sich nun deutlich; es wird protestiert.

Das sehen viele der Helfer kritisch: „Wir leben friedlich zusammen, weil wir uns liberal und verständig zeigen“, in Deutschland sei man für die Flüchtlinge auch zusammengerückt – da dürfe man erwarten, dass auch andere „über ihren eigenen Schatten springen“.

In mehr als unangenehme Situationen geraten besonders allein stehende Frauen. Sie seien häufig dem Druck fremder Männer ausgesetzt. Die Polizei sei hilfreich gewesen, hieß es, und in einem Fall sorge der in der Nähe wohnende Eigentümer für Schutz.

Häufig dämpfen die Helfer übertriebene Erwartungen. Das Einfamilien-Haus mit Garten prägt Wolbeck und die Umgebung der Unterkünfte – aber das sei kein selbstverständlicher Standard.

Vieles an Kleidung kommt aus der Kleiderkammer Südost, der Wunsch, mal etwas Neues zu kaufen, sei verständlich. Aber: „Meine Kinder sind mit Second-Hand großgeworden“, sagt Barbara Hoebink-Johann. „Die Ansprüche kommen nicht von irgendwo her – die haben wir auch genährt“, meint Cornelia Höring.                      

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