Gerhard Canstein von der Flüchtlingshilfe freut sich über beruflichen Erfolg von Samuel Appete aus Ghana
„Beispiel für gelungene Integration“

Münster-Südost -

„Wir sind mit ihm sehr zufrieden!“ Ute Ahlers, die mit ihrem Mann Marcus zusammen eine große Polsterei in Nottuln betreibt, kann nur Gutes über Samuel Appete berichten. Seine Leistungen seien mehr als überzeugend. „Er polstert alles, was er in die Finger bekommt“, sagt Ute Ahlers und lacht.

Montag, 12.02.2018, 00:02 Uhr

Der 37-jährige Flüchtling aus Ghana lebte zunächst in einer Unterkunft am Brandhoveweg und bezog später eine eigene Wohnung in Angelmodde. Seit dem vergangenen Sommer absolviert er eine Ausbildung bei der Firma Ahlers in Nottuln. „Ein Beispiel für gelungene Integration“, erklärt Gerhard Canstein von der Flüchtlingshilfe Südost, der die Familie Appete seit langem betreut. Doch der Weg dorthin war steinig.

Samuel Appete kam mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Januar 2014 nach Deutschland. In Ghana hatte er als Polsterer gearbeitet. „2015 machte er ein Praktikum bei der Nottulner Firma Ahlers“, berichtet Canstein. Da er dieses Praktikum erfolgreich absolvierte, erhielt Samuel Appete dort eine Stelle als Polsterer angeboten.

„Diese Stelle konnte von der Bundesagentur für Arbeit nur genehmigt werden, wenn sich nicht auch noch ein EU-Bürger für diese Stelle bewarb“, so Canstein weiter. Es tauchte tatsächlich eine Mitbewerberin mit einer Behinderung auf. Die Firma Ahlers stellte beide Personen ein. Im Herbst 2016 habe Samuel Appete erfahren, dass sein Asylantrag abgelehnt wurde und er und seine Familie spätestens nach einem halben Jahr Deutschland verlassen müssten – es sei denn, er nähme eine Ausbildung auf, dann könne er für die Dauer der Ausbildung hier bleiben. Trotz erheblicher bürokratischer Schwierigkeiten gelang es Ute Ahlers , ihn noch als Auszubildenden anzumelden.

Mit seiner praktischen Arbeit ist Firma Ahlers sehr zufrieden. Ute Ahlers betont, dass Samuel Appete nicht nur ein qualifizierter Mitarbeiter ist: „Er polstert perfekt jeden Sessel und jedes Sofa.“ Der Familienvater aus Ghana sei auch sehr lernwillig und komme jeden Tag mit Freude zur Arbeit.

Allerdings gebe es immer noch erhebliche sprachliche Defizite, die auch den Besuch der Berufsschule sehr erschweren. Im Januar 2018 stand die Zwischenprüfung vor der Tür, bestehend aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Beim praktischen Teil müssen die Prüflinge einen kompletten Raum mit Möbeln, Teppich und Vorhängen selbst ausgestalten. Samuel Appete erhielt Gelegenheit, sich samstags in der Firma gemeinsam mit einer Mitarbeiterin auf diese Aufgabe vorzubereiten.

Für den theoretischen Teil gelang es der Firma, jemanden zu gewinnen, der Samuel nach seiner täglichen achtstündigen Arbeitszeit sprachlich und vom Fachwissen her auf die Prüfung vorbereiten sollte. Da der Familienvater jedoch nach acht Stunden Arbeit kaum noch aufnahmefähig war, wurde eine besondere Vereinbarung getroffen: Die Deutschstunde wurde auf den Vormittag verlegt und Samuel Appete arbeitete nach allgemeinem Arbeitsschluss noch eine Stunde in der Werkstatt weiter. „Dank des Engagements vieler Menschen hat Samuel Appete die Zwischenprüfung bestanden“, freut sich Ute Ahlers.

Auch Gerhard Canstein ist zuversichtlich: „Es besteht begründete Hoffnung, dass Samuel Appete mit seiner Familie nach seiner Ausbildung in Deutschland bleiben kann“. Das würde die Firma Ahlers sehr freuen, für die es nicht einfach ist, gute Mitarbeiter zu finden: „Solange unsere Firma besteht, kann Samuel Appete bei uns arbeiten“, betont Ute Ahlers.

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